Frankfurt, im Dezember

Frankfurt stand am Wochenende im Zeichen der feierlichen Weihe seines am 23. März 1944 zerstörten, jetzt in dreijähriger Arbeit wieder hergestellten Domes. Bischof Dr. Wilhelm Kempf (Limburg) zelebrierte die erste Messe in Gegenwart der vier Bischöfe der Nachbardiözesen, einer großen Zahl geistlicher Würdenträger und einer dichtgedrängten Menge von Gläubigen. Es war die dritte Weihe in der Geschichte des schon 852 urkundlich erwähnten frühkarolingischen Bauwerks: 1239 nach einem gründlichen Umbau, 1867 nach einem Brand der Frankfurter Altstadt und nun am Sonntag nach dem Wiederaufbau, der der ältesten Bauidee entspricht.

Der Kirchenraum ist von den einengenden Zutaten späterer Jahrhunderte befreit und der Altar in die Mitte der Vierung gerückt worden. Das Charakteristische des deutschen Kaiserdoms zu Frankfurt, der Kaiserwahlstätte seit Friedrich Barbarossa, der Krönungsstätte seit Maximilian II. (1564), ist die Gleichwertigkeit der Längs- und Querschiffe: der Grundriß zeigt vier gleich starke und gleich lange Kreuzarme. Dies aber hat seine symbolische Bedeutung. Denn bei der Krönung am Altar entstand die Reichsgewalt in der Mitte der huldigenden Gemeinde. Das Reich schien den Gläubigen im Kaiserdom zu Frankfurt als Verkörperung der seither so sehr gefährdeten Mitte unseres Wesens: des Christus-Dienstes. Und das Ausgreifen des Deutschen Reiches nach Nord, Ost, Süd und West – dargestellt durch die gleich langen Kreuzarme – geschah nicht für eigensüchtige Ziele, sondern im Dienst der Ausbreitung des christlichen Glaubens. Diese Symbolik hat die alt-neue Gestalt des deutschen Kaiserdomes zu Frankfurt wiederum enthüllt. Dd.