Die schlechte Beschäftigungs- und Ertragslage in der westdeutschen Stahlindustrie läßt – wir haben darüber kürzlich mehrfach berichtet – Wünsche auf eine Zusammenführung entflochtener Werke laut werden. Nachdem sich vor kurzem die Hohe Behörde zur Frage der Bildung stärkerer und damit wettbewerbsfähiger Montangebilde recht positiv geäußert hatte und daraus auch auf deutscher Seite gewisse erfreuliche Folgerungen gezogen werden konnten, haben nunmehr die Hohen Kommissare dazwischengefunkt. Wie an der Ruhr verlautet, habe Bundeskanzler Dr. Adenauer einen Brief von den Hohen Kommissaren erhalten, "der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ". In diesem Schreiben werden in der Frage der Konzernbildung zwar noch einmal in gewissen Punkten "Zugeständnisse" gemacht, es wird aber zugleich zum Aus-, druck gebracht, daß "damit nun Schluß sei".

So aber geht die Sache nicht; die Hohen Kommissare stellen sich die Dinge des Dirigierens zu leicht vor. Die Montan-Union-Politik verpflichtet die deutschen Unternehmer, zu den besten betriebswirtschaftlichen Formen zu kommen, um den Lebensstandard Europas weiter heben Zu können. Der politische Besatzungs-Dirigismus, der all die Jahre über nur zu deutlich auf dem Gebiete der Industriepolitik vom Konkurrenzgesichtspunkt geleitet war, paßt nicht mehr in diese Zeit. Auch die Höhen Kommissare müssen sich daran gewöhnen, daß sie im Räume der Montan-Union nicht Frankreich erlauben können, was sie Deutschland verbieten. Jede andere Haltung bedeutet eine Unterspülung der Fundamente, die künstliche Schaffung benachteiligter Industrien und die Entfachung einer berechtigten deutschen Kritik, ja, eines Handelns nach eigenen Konzeptionen. R.