Die Verwaltung der Rheinische Röhrenwerke AG, Mülheim/Ruhr, nahm die oHV für 1951/52 zum Anlaß, einige offene Worte über die Röhren-Misere zu sagen. Rheinrohr ist mit mehr als 50 v. H. am gesamten deutschen Röhrenexport und mit einem Anteil von 40–44 v. H. am Inlandgeschäft der größte kontinentale Röhrenproduzent überhaupt. Die Verwaltungserklärungen dürfen daher in etwa als repräsentativ für die gesamte deutsche Röhrenwirtschaft gelten. Dir. Polenz sagte sehr freimütig, daß die deutsche Röhrenkapazität bereits jetzt als beträchtlichübersetzt angesehen werden könnte. Er sprach von 50 v. H.l Aber dennoch würden in Süddeutschland von der Flick-Gruppe und in Berlin von Borsig neue Röhrenproduktionen errichtet, und auch Hoesch trage sich mit dem Gedanken, ein Röhrenwerk aufzubauen. Rheinrohr sei gegenwärtig nur zu 40–45 v. H. seiner Kapazität ausgenutzt. Dabei sei der Auftragseingang zur Stunde genau so hoch wie die Produktion, nur der Versand liege noch in Abwicklung älterer Aufträge über dem Ausstoß.

Diese schlechte Lage am Röhrenmarkt habe zu sinkenden Export- und nachgebenden Inlandpreisen geführt, wobei der Röhrenhandel im innerdeutschen Geschäft teilweise auf seine gesamten Rabatte (von bis zu 6 v. H.) verzichte, um Aufträge hereinzubekommen. Noch sei aber eine Belebung im Auftrageingang nicht eingetreten. Im Ölrohrgeschäft seien die USA sogar völlig als Käufer ausgefallen.

Zur Unternehmenslage war zu hören, daß die vergangenen Jahre sehr gute Geschäfte gebracht hätten. Das Investitionsprogramm vom März 1948 über 170 Mill. DM sei bis 30. September 1953 bis auf 45 Mill. DM abgewickelt und aus eigenen Gewinnen bezahlt worden. Allein 1951/52 und 1952/53 (30. September) wurden je rund 40. Mill. DM verbaut. Man hoffe, den Restbedarf noch einigermaßen durch Selbstfinanzierung zu decken, obwohl dies nicht voll zu übersehen sei. Aus dem Gespräch war weiterhin zu entnehmen, daß für 1952/53 die Wiederaufnahme der Dividendenzahlung in bescheidenem Umfange möglich sein könne, daß aber für 1953/54 die Dividende auf 92 Mill. DM AK (Frau Thyssens Anteil etwa 50 v. H.) noch recht problematisch wäre. Der Jahresgewinn 1951/52 von zusammen 3,7 Mill. DM wurde einem Dividendenergänzungsfonds zugeführt.

Rheinrohr hat aus Auftragsgründen die 40-Stunden-Woche als 5-Tage-Woche eingeführt. Zugleich wurden rund 400 Belegschaftsmitglieder, meist über 65 Jahre alt, entlassen und pensioniert. Die monatliche Ersparnis der 5-Tage-Woche wurde auf knapp 1 Mill. DM beziffert. rlt.