Welch Glück –: Der Friede zwischen Turnen und Sport ist gewahrt worden. Der Präsident des Deutschen Sport-Bundes, in dem sich alle an der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend interessierten Kreise zusammengeschlossen haben, hat die beiden feindlichen Brüder, den Deutschen Turnerbund und den Deutschen Leichtathletik-Verband, wieder zusammengeführt. Man kann sich darüber nur aufrichtig freuen.

Nun, da wieder holder Friede und süße Eintracht herrschen, darf man sich wohl fragen –: War das Gezeter über die von dem Oberturnwart des DT, Eichhoff, gestellten Forderungen, das "Volksturnen" zu fördern, überhaupt wert, daß so viel Unheil an die Wand gemalt wurde? Uns scheint, daß die Leichtathleten, die sich besonders bedroht fühlten, die Auslassungen Eichhoffs mißverstanden haben. Sein Fehler war, daß er sich ungenau ausdrückte, denn vielfach ist der Ausdruck "Volksturnen" ein unklarer oder sogar unbekannter Begriff. Unter diesem eigentümlichen Wort verstehen die Turner jedoch lediglich ihre Mehrkämpfe, die natürlich auch einige (angeblich rein) leichtathletische (wie auch schwimmerische) Disziplinen umfassen. Wenn sie nun den Wunsch haben, in diesen Mehrkämpfen Meisterschaften auszurichten, so sollte man ihnen dies doch zugestehen, ja, man sollte sie sogar darin unterstützen. Der gemeinsamen Sache kann das nur dienlich sein, und weder die Leichtathleten noch irgendwelche anderen Sportler werden dadurch in ihren Kompetenzen getroffen.

Holder Friede – süße Eintracht herrschte anscheinend auch bei dem letzten Ost-West-Gespräch der deutschen Sportler diesseits und jenseits des Eisernen Vorhanges. Mögen auch diesmal wieder keine bindenden Beschlüsse gefaßt worden sein, so ist doch die Tatsache, daß man sich endlich wieder einmal zu einer Aussprache an einem Tisch zusammengesetzt hat, erfreulich genug. Denn der Sport könnte wirklich eine Brücke schlagen. Ein heikles Thema ist natürlich noch immer der Wunsch des Sportausschusses der Sowjetzone, als Mitglied in das Internationale Olympische Comité aufgenommen zu werden. Denn wenn wir auch ganz selbstverständlich zwei deutsche Vertretungen in diesem Gremium einfach nicht anerkennen können, so sind wir doch in dieser Frage erheblich in der Hinterhand. Denn welch ein Unterschied besteht – auf dem Sportgebiet – zwischen der "DDR" und dem Saarland, das ganz unverständlicherweise selbständig im IOC vertreten ist? Auch die Saar ist schließlich deutsch und gehört noch immer zu uns, und es war mehr eine Dummheit, daß die alten Herren des Olympischen Comites uns seinerzeit auf Frankreichs Drängen diesen Affront bereiteten. Wir meinen, daß unser Nationaler Olympischer Ausschuß dieses heiße Eisen bei nächster Gelegenheit anpacken müßte, koste es, was es wolle. Schließlich spielen ja die Saarländer auch in unserer Deutschen Fußballmeisterschaft mit, und eklatanter, kann also der "olympische" Unfug, den man mit dem Saarland trieb, nicht bewiesen werden. W. K.