In der vergangenen Börsenwoche kam es zu keiner einheitlichen Tendenz. Nimmt man die Montanaktien als Maßstab, kommt man zu dem Schluß, daß es wieder einmal kräftig nach unten gegangen ist; denn die mehrprozentigen Gewinne im Wochenschluß konnten die Verluste zwar mildern, aber liebt beseitigen. Sieht man sich dagegen die Spezial-, Lokal- und besonders die Bankenkurse an, so liegt kein Grund zum Pessimismus von diese Papiere haben sich entweder behaupten oder sogar noch Gewinne erzielen können.

Der Grund für die uneinheitliche Tendenz liegt in den wirksam gewordenen sich überschneidenden Faktoren, die sowohl saisonbedingter als auch wirtschaftspolitischer Herkunft sind. Einmal macht der Jahresultimo in Verbindung mit dem Steuertermin am 10. Dezember offensichtliche Schwierigkeiten und zwingt zu Geldbeschaffungsverkäufen, und zum anderen ist man enttäuscht über die "verschobene" Aktienfördering, also über den Sieg Schillers über Erhard. Daneben macht man sich Sorgen um die Ratifizierung des EVG-Vertrages, um die Saar sowie um die gespannte Beschäftigungslage auf den Gebiet von Kohle und Eisen. Es ist also kein Wunder, wenn man sich in den Börsen am leichtesten von den Montanwerten trennt, zumal Ihre Besitzer beim Veräußern noch ansehnliche Gewinne für sich verbuchen können.

Ob diese Verkäufe nun allerdings der Weisheit letzter Schluß darstellen, steht auf einem anderen Blatt. Selbst wenn man alle ohne Zweifel vorhandenen negativen Momente berücksichtigt, müßte man von der Substanz her nach wie vor zu der Ansicht kommen, daß bei dem einen oder anderen Montanpapier noch echte Chancen vorhanden sind. Nehmen wir als Beispiel den Stahlverein, dessen Aktien am Wochenende zu 224 1/2 v. H. schlossen, was einem DM-Kurs von etwa 75 v. H. entspricht. Von den zahlreichen Nachfolgegesellschaften werden im Augenblick nur sechs niedriger bewertet (Gelsenkirch. Bergwerk 74 v. H., Hamborn-Bergbau 19, Dortmund-Hörder Hütten-Union 70, Hüttenwerk Phoenix 67 1/2, August Thyssen Hütte 69 und Niederrhein. Hütte 71 1/2 v. H.). Alle anderen Nachfolger liegen wesentlich höher (Rheinstahl-Union sogar bei 125 1/2 v. H.). Der Durchschnitt läßt sich etwa auf 83 v. H. errechnen. – Als einzige der Stahlgesellschaften konnten Eisenhütten einen Gewinn verzeichnen, der seine Ursache in der am 21. 12. 1953 stattfindenden oHV hat, auf der die Bilanzen bis einschließlich 1951 vorgelegt werden sollen. Man hofft bei der Gesellschaft auf ein Umstellungsverhältnis von 10 : 14. Der Kurs steht jetzt auf 100 v. H.

Die IG-Farben-Papiere haben an Anziehungskraft auf die ausländischen Käufer vorübergehend eingebüßt. Das dürfte doch weniger an den IG-Farben selber als vielmehr an der allgemeinen Zurückhaltung liegen, die das Ausland gegenüber den deutschen Werten (wie auch gegenüber der Sperrmark) gegenwärtig übt. Dennoch blieb der IG-Farben-Kurs stabil. Casella Farbwerke fielen sogar durch eine Kurssteigerung von 9 Punkten auf 139 v. H. auf. Ein Teil der übrigen chemischen Werte tendierte leicht rückläufig.

Großbankaktien lagen ausgesprochen fest. Man rechnet mit annehmbaren Dividenden und mit der Aussicht, daß die Bilanzen für 1952 vergleichsweise früher als die von 1951 vorgelegt werden. Unter Berücksichtigung der jüngsten Gewinne ergibt sich folgendes Bild:

Man erkennt also, daß vom Kurs her keine Schwierigkeiten mehr bestehen, um bei den Großbanken eine eventuell anzustrebende Kapitalerhöhung vornehmen zu können. – Ein interessantes Papier blieben weiterhin die Reichsbankanteile. Neuerdings haben sich auch die Gläubiger der alten Reichsbank zu Worte gemeldet, was begreiflicherweise eine vorübergehende Kursverstimmung zur Folge hatte. Inzwischen war ans Bonn zu hören, daß man dort an dem Gedanken festhält, die Abfindung der Anteilseigner mit der Schaffung des neuen Bundesnotenbankgesetzes zu verbinden.

Zu weiteren Kursgewinnen kamen die norddeutschen Brauereien. Angezogen haben ferner die Warenhauspapiere, wie Karstadt und Westd, Kaufhof, bei denen die Umsätze recht befriedigende Ansätze zeigen. Dt. Linoleum und Conti-Gummi setzten ihre stetige Aufwärtsbewegung fort. Von beiden Gesellschaften liegen günstige Nachrichten über die Ertragskraft vor, so daß eine Dividendenerhöhung im Bereich des Möglichen liegt.

Am Rentenmarkt hielt die Nachfrage nach RM-Industrieobligationen wegen ihrer zum Teil sehr nahen Rückzahlungstermine an. In RM-Hypothekenpfandbriefen wurde andererseits weiteres Material verfügbar, so daß sich die Kurse in einigen Kategorien nicht mehr auf der alten Höhe halten ließen. Harpener Bonds konnten ihren Stand bei 133 v. H. halten, das gleiche gilt für die Reichsschatzanweisungen, die zwischen 4 3/4 und 5 v. H. gehandelt wurden. – ndt