In der Warschauer Presse wurde ein amtlicher Bericht über die "Erfolge im Aufbau" der Wirtschaft in den einst deutschen Bezirken jenseits der Oder-Neiße-Linie veröffentlicht, in dem in kaum verhüllter Form zugegeben wird, daß die Deckung des Haushalts-, Medikamenten- sowie Textilbedarfs und auch die Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln noch viel zu wünschen übrigläßt. Kritisiert wird dabei vor allem der immer größer werdende illegale Straßenhandel auf dem Lande, von dem festgestellt wird, daß er dem Staat hohe Steuerverluste eintrage. Die Konsum- und die Produktionsgenossenschaften werden aufgefordert, durch größere Wachsamkeit gegenüber dem illegalen Handel die staatliche Verteilung der Industriewaren und Lebensmittel mehr als bisher zu unterstützen. Die Zahl der ambulanten Handelsunternehmen wird auf rund 2500 geschätzt, während die Zahl der genossenschaftlichen Verkaufsunternehmen mit 5400 und die der noch nicht verstaatlichten Läden mit 3450 angegeben wird.

Die Preise der Qualitätswaren sind für den Durchschnitt der Bevölkerung noch immer zu hoch. Ein Paar Lederschuhe kostet im staatlichen Einzelhandel 450 Zloty, ein Kilogramm Butter 130 Zloty. Nylonstrümpfe, die als Schmuggelware nur auf dem Schwarzen Markt oder allenfalls beim ambulanten Handel zu haben sind, kosten in Warschau 700 bis 800 Zloty. Geplant ist, in allen Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern neue staatliche Warenhäuser zu errichten. Das besondere Augenmerk der Verstaatlichungspolitik im Handel gilt zur Zeit außer Breslau den Städten Oppeln, Liegnitz, Stettin, Beuthen und Allenstein. Gleichzeitig soll der Staatshandel auch in den Dörfern, wo es noch immer zahlreiche private Läden gibt, erweitert werden, um der genormten Einheitsware aus den verstaatlichten Fabriken neue Absatzmöglichkeiten zu schaffen. -tho-