Waffenstillstand in Indochina?

Die völlig unerwartete Erklärung des Führers der kommunistischen Vietminh – Aufständischen, Ho Chi-Minh, er sei bereit, mit Frankreich über einen Waffenstillstand zu verhandeln, hat in Paris und Saigon starke Reaktionen hervorgerufen. Ho Chi-Minh, der Präsident der "Demokratischen Republik Vietnam", brachte seine Verhandlungsbereitschaft in den Antworten auf fünf Fragen zum Ausdruck, die ihm Stockholms größte Abendzeitung "Expressen" über die Botschaft der Vietminh in Peking am 5. November hatte zugehen lassen. In der telegrafischen Antwort, die am 28. November in Stockholm eintraf, erklärte Ho Chi-Minh, Voraussetzung sei, daß Frankreich die Absicht habe, ernstlich die Unabhängigkeit Vietnams zu respektieren, die militärischen Aktionen einzustellen und auf die Rückeroberung Indochinas zu verzichten. In Paris erklärte der Staatssekretär für "indochinesische Angelegenheiten", Jacquet, dem Angebot komme, obwohl es in Form eines Zeitungsinterviews erfolgt sei, große Bedeutung zu. Allerdings gehe aus ihm hervor, daß die Kommunisten die vietnamesische Regierung Bao Dais übergeben wollten. Frankreich sei jedoch verpflichtet, Verhandlungen nur im Einverständnis: mit den indochinesischen Staaten zu führen.

Die Südtiroler Frage

Die Ernennung des früheren Bundeskanzlers Dr. Leopold Figl zum Nachfolger des zurückgetretenen Außenministers Gruber hat im Landesvorstand der österreichischen Volkspartei in Tirol Enttäuschung hervorgerufen. Gruber kam aus Tirol, und mit ihm hat dieses Bundesland einen der wichtigsten Posten im Kabinett verloren. Der Kandidat der Innsbruck für den Posten des Außenministers war der Universitätsprofessor Dr. Franz Gschnitzer, der wegen seines Eintretens für die Wiedervereinigung Südtirols mit Österreich bekannt ist und der aus diesem Grunde in Italien als persona non grata betrachtet wird. Seit im italienisch-jugoslawischen Streit um Triest der italienische Ministerpräsident Pella eine Volksabstimmung gefordert hat, ist in deutschen Kreisen Südtirols die Forderung erhoben worden, daß auch in diesem nach dem ersten Weltkrieg von Österreich an Italien abgetretenen Gebiet über das zukünftige Schicksal des Landes durch eine Volksabstimmung entschieden werden sollte. Diese Forderung fand im österreichischen Tirol, besonders in Innsbruck, freudige Unterstützung. Nunmehr hat die österreichische Regierung bekanntgegeben, daß sie die Forderung nach einer Volksabstimmung in Südtirol gegenwärtig nicht unterstützen werde. Ein Sprecher der Regierung erklärte, Bundeskanzler Raab, dem, wie allen Österreichern, die Frage Südtirol sehr am Herzen liege, wünsche nicht, der Regierung Pella in den Rücken zu fallen in einer Zeit, da diese mit sehr kritischen Problemen zu kämpfen habe. In diesem Zusammenhang verwies der Sprecher darauf, daß eine offizielle Unterstützung eines nur von Teilen der Südtiroler Bevölkerung geäußerten Wunsches nicht nur die freundschaftlichen österreichisch-italienischen Beziehungen stören, sondern auch Österreichs Exporthandel empfindlich schädigen könnte.

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Das erste Parlament des Sudan

Die für die Vereinigung des Sudan mit Ägypten eintretende Nationale Unionspartei hat bei den Wahlen zum ersten sudanesischen Parlament einen überragenden Erfolg erzielt. Sie erhielt 44 Sitze, während die für die Unabhängigkeit des Sudan im Rahmen des britischen Commonwealth kämpfende Umma-Partei nur 20 Sitze erringen konnte. Aufgabe des neu gewählten Parlaments ist es, während einer im Höchstfall drei Jahre dauernden Übergangszeit unter einem britischen Generalgouverneur als höchster konstitutioneller Instanz die Gesetze für die Selbstverwaltung des Landes zu geben. Die Übergangsperiode wird beendet, sobald das Parlament den Beschluß faßt, eine Entscheidung über den zukünftigen Status des Landes herbeizuführen.

E. K.