Man mag zu den Konzeptionen unseres Bundesfinanzministers stehen, wie man will: was dieser geplagte Mann – trotz der "stolzen" Vorlage eines gefestigten und ausgeglichenen "Haushaltes der Sparsamkeit" – in diesen Tagen über sich ergehen lassen muß, ist Tobak gröbsten Formats; scheitert doch an diesem "bayerischen Dickkopf", wie man in Gazetten lesen kann, nicht nur die Erhöhung der Steuerfreigrenze von 100 auf 200 DM, sondern auch die Zahlung von Weihnachtszuwendungen an die Bediensteten des Bundes.

Nun kann man allerdings sagen, daß unsere Bürokratie nicht eben besonders geschickt ist in der Kunst, unpopuläre Maßnahmen so zu offerieren, daß sie auch dem Mann auf der Straße in ihrem Zwang verständlich werden. Es wäre klug gewesen (und wäre es auch noch), wenn der an den Litfaßsäulen der öffentlichen Meinungsbildung als "Verderber der Weihnachtsfreude" angeprangerte Herr Schäffer mehr als ein paar unpersönliche Worte dafür gefunden hätte, warum er so und nicht anders hat handeln müssen. Aber von dieser taktischen Frage einmal abgesehen: was ist ein Bundesfinanzminister? Doch nur der Mann, der den großen Topf verwaltet, zu dem wir alle unser mehr oder weniger übergroßes Scherflein beitragen und aus dem, wenn er leer ist, nur dann zusätzlich etwas gegeben werden kann, wenn wir entsprechend mehr hineintun.

Wer aber will das? Wenn wir uns nicht irren, dann sind wir uns darüber einig geworden, daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, die fiskalischen Daumenschrauben: zu lockern. Oder gibt es unter den unzähligen Ausgabeposten einen, der, ohne ein Ärgernis zu erregen, gekürzt werden könnte? Wo bleiben die Vorschläge?

Wer diese Frage stellt, muß damit rechnen, mit Steinen beworfen zu werden. Die Entscheidungen, die der Bundesfinanzminister treffen mußte, sind hart. Vielleicht kann man sie auch ungerecht nennen und ohne das Gefühl jener Liebe, die gerade in den vorweihnachtlichen Tagen in unseren Herzen ihren angestammten Platz sucht und nun durch die harten ökonomischen Fakten wieder einmal zur Seite gedrängt wird. Aber auch über einen gefestigten Haushalt kann man sich freuen.

Wie wir aus einer Meldung gerade jetzt erfahren, sucht der neue Ministerpräsident von Kambodscha zur Zeit ebenso verzweifelt wie erfolglos einen Finanzminister. Vor einigen Tagen hat ein Mann namens Tiou Long sich nach langem Überreden bereit gefunden, diesen Posten zu übernehmen. Doch zwei Tage später, als die katastrophale finanzielle Situation dieses Landes ihm im vollen Umfang klar geworden war, stellte er sein Amt schleunigst zur Verfügung. Schön, daß wir noch einen Bundesfinanzminister haben! kr.