Ab und zu packt es einen – und dann möchte man den "Texasreiter" über die Prärie preschen sehen, möchte wissen, was ein Engel mit zwei Pistolen anfängt, oder erfahren, was Bing Crosby und Bob Hope ausgerechnet in Sansibar, Bali oder Alaska zu suchen haben (todsicher eine Sirene namens Dorothy Lamour!). Dann nimmt man den Mantel über und Gattin, Braut oder Freundin untern Arm und wandert ins Kino "um die Ecke".

Aber ab und zu packt es einen – und man verspürt Sehnsucht, wieder einmal einen guten, einen künstlerischen Film zu sehen. Vielleicht Chaplins "The Kid", der einem unvergessen blieb, vielleicht Renoirs "La grande Illusion den man nur vom Hörensagen kennt.

Wo sieht man sie oder sieht sie wieder – die guten Filme?

Vielleicht in Matineen und Nachtvorstellungen einiger Kinos großer Städte. Diese Kinos haben damit gute Erfahrungen gemacht. Ein Berliner Kino spielt den "Orphée" in einer wöchentlichen Nachtvorstellung schon länger als zwei Jahre. In diesen Vorstellungen werden im allgemeinen Filme gezeigt, die wegen ihrer Qualität kein Geschäft waren oder solche, die es trotz ihrer Qualität waren, aber schon aus terminlichen Gründen nicht noch einmal im regulären Programm aufgenommen werden können. Filme aber wie der "Citizen Karte" von Orson Welles oder "La. grande Illusion" hat der Verleih den Kinobesitzern gar nicht erst angeboten, weil er, wohl mit Recht, ein Verlustgeschäft witterte.

Und wo kann man diese Filme sehen? Vielleicht in den Volkshochschulen, in den Stadt- und Landesbildstellen, vielleicht in den französischen, englischen oder amerikanischen Kulturcentern. Am ehesten noch in den Filmklubs.

Seit die ersten, durch ausländische Beispiele angeregt, vor fünf Jahren gegründet wurden, wuchs ihre Zahl ständig, und heute gibt es von ihnen in Deutschland 145 mit rund 40 000 Mitgliedern. Sie schlossen sich zu einem Verband zusammen, geben eine Zeitschrift, das "filmforum" heraus, wählen einen Präsidenten und haben, wie es zu einem richtigen Verband gehört, Statuten. Denen zufolge ist es ihr Ziel, künstlerisch bedeutsame oder dokumentarisch außergewöhnliche Filmstreifen aus alles Entwicklungsstufen und allen Ländern vorzuführen. Über sie wird dann diskutiert. Und außerdem halten Fachleute Vorträge über praktische und theoretische Fragen der Filmkunst.

An dem Zuspruch, den die Vorführungen der Filmklubs fanden, erkannten die Verständigeren, daß es auch anders geht, Daß die Schicht derer, die gute Filme zu sehen wünschen, breiter ist, als man dachte. Und wer jetzt einen künstlerischen Film sehen will, braucht in einer Reihe von Städten jedenfalls – und es werden mehr werden – nicht unbedingt einem Filmklub beizutreten. Für ihn gibt es jetzt die Filmkunsttheater.