Die Aufwärtsentwicklung der Aschaffenburger Zellstoffwerke AG (Hauptverwaltung in Redenfelden/Obb.) wurde 1952 durch eine Depression unterbrochen. So fielen die Zellstoffpreise bis auf ein Drittel des Standes von Ende 1951 und die Papierpreise bis 50 v. H. ihres Höchststandes. Bemühungen, die Vorräte zu liquidieren, führten zu Produktionseinschränkungen. Wegen der auseinanderklaffenden Preisentwicklung von Zellstoff und Faserholz dauerte die Krise in der Zellstoffindustrie und in der holzverarbeitenden Industrie länger als in der Papierindustrie. Die Zellstoffindustrie – der Export bei Aschzell ging von 24 300 t in 1951 auf 11 000 t in 1952 zurück – verlor manchen Absatzmarkt an die skandinavische und österreichische Einfuhr. Der ebenfalls stark rückläufige Papierexport ist jedoch seit Herbst 1953 wieder im Ansteigen. Die Rohstoffversorgung wurde durch den Erwerb von Holzeinschlagsrechten in Kanada auf eine stabilere Basis gestellt. Bei einem Gesamtumsatz von 164 Mill. DM (I. V. mehr als 200 Mill. DM) betrug die Jahresproduktion an Zellstoff 129 154 (158 854) t, an Papier 41 295 (45 141) t und an Spiritus 65 970 (80 241) hl. Im neuen Arbeitsprogramm wurde besonders die Verwendung von Tropenhölzern und tropischen Faserpflanzen, die Verwertung von Sulfitablauge für die Erzeugung von Wirkstoffen für die pharmazeutische und Futtermittelindustrie sowie die Veredelung von Packpapieren studiert.

Der Sozialaufwand (gesetzlich und freiwillig) betrug bei rund 20 Mill. DM für Löhne und Gehälter etwa 4 Mill. DM. Bei dem langsamen Umschlag wünscht die Industrie eine Verlängerung der Steuerbemessungsperiode von ein auf drei Jahre. Von der Großen Steuerreform erwartet sie, daß die übersetzten Ertragsteuern reduziert, die Abzugfähigkeit der Vermögensabgabe und Vermögens teuer als Betriebsausgaben ermöglicht und die Doppelbesteuerung der Dividenden – die Hauptursachen des unzureichenden Kapitalertrages – beseitigt werden.

Zu demverringerten Rohüberschuß von (in Mill. DM) 42,8 (61,4) kommen 5,5 (0,7) ao. Erträge (Steuererstattungen). Andererseits erforderten Löhne und Gehälter 20,2 (22,7), Sozialabgaben 1,9 (2,3), Anlageabschreibungen 7,9 (12,7), Zinsenmehraufwand 5,5 (3,2), Steuern 4,1 (10,0), ao. Aufwendungen 8,3 (8,4). Den einschl. Vortrag auf 606 590 DM erhöhten Gewinn soll die HV vortragen. Im Vorjahr waren auf 2,8 Gewinn erstmals wieder 6 v. H. bzw. 7 v. H. Dividende ausgeschüttet worden. Die HV soll auch die Einziehung der 0,2 VA beschließen, die gegen STA umgetauscht wurden.

Nach Absatzschwierigkeiten im ersten Halbjahr 1953 ist ab Juli eine Besserung eingetreten.Die Vollbeschäftigung der Zellstoff- und Papierfabriken ab Oktober sicherte eine günstigere Ertragslage. Die Periode der umfangreichen Investitionen, die seit der Währungsreform 64,5 Mill. DM und weitere 50 Mill. für erhöhte Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten erforderte, ist mit 1953 beendet worden. Obwohl 1953 eine bessere Bilanz als 1952 bringen wird und auch das erste Quartal 1954 sehr günstig beurteilt werden kann, ist die Frage nach Dividendenaussichten noch nicht zu beantworten. H. K.