Hessen galt stets als eine der Urlandschaften der Luftfahrt. Von den Segelfliegern der hohen Rhön bis zu den Piloten von siebzehn Luftfahrtgesellschaften, die täglich auf dem Weltflughafen Rhein-Main ihre Maschinen warten, zweifelte gewiß bisher niemand daran, daß die Bewohner dieser Landschaft ihnen gewogen seien. Darum wunderten sich Besatzungen und Bodenpersonal von vier startbereiten Sportmaschinen (darunter der einzige europäische Himmelsschreiber, direkt aus Paris), als zwanzig Bauern aus Egelsbach bei Frankfurt mit tuckernden Treckern, scheppernden Pferdefuhrwerken und einem Haufen Fußvolk auf dem kleinen dorfnahen Flugplatz erschienen und den Fliegern buchstäblich die Startbahn unter den Rädern wegackerten. Gestalten wie Florian Geyer – der Hermann Best, der Friedrich Schroth und der Jakob Wurm – führten den seltsamen Zug. "Wir haben nichts gegen das Fliegen", knurrten sie. "Nur hier in Egelsbach sind wir dagegen." Sie knallten mit den Peitschen und warfen meterhoch das Rollgelände auf. Dann schlugen sie 150 Pfähle ein: lauter Hindernisse, und vergaßen auch einige Schilder nicht: "Betreten verboten."

Im Verwaltungsgebäude am Platzrand begann ein fieberhaftes Telefonieren. Aber die Luftaufsichtsbehörde schwieg sich aus; die Regierung in Wiesbaden wußte keinen Rat; der Egelsbacher Gemeindevorstand bedauert das "Mißverständnis". Schließlich griffen die Piloten zur Selbsthilfe. Der "Himmelsschreiber" warf die Motoren an und drehte die Maschine so, daß die Auspuffrohre gegen die Bauern gerichtet waren. Die zogen sich fluchend zurück; aber einige hinleben auch: das Werk war vollendet. Nur der Ludwig Haas konnte den Sieg nicht voll auskosten. Er schleppte sich zum Doktor, und die Krankengeschichte beginnt mit der Feststellung, Patient sei von ausländischen Piloten bedroht und sogar mit dem "Nebel" des französischen "Himmelsschreibers" besprüht worden, wodurch er Vergiftungserscheinungen bekommen habe.

Aber auch die Gegenseite hat Opfer zu beklagen. Da Egelsbach als Entlastungsfeld für den Rhein-Main-Flughafen in alle Flugkarten eingetragen ist, warnte die Flugsicherung wenige Stunden nach Beginn der Bauernrevolte alle europäischen Flugplätze durch Äthermeldungen davor, Egelsbach anzufliegen. Gleichwohl landeten zwei Reporter vom hessischen Rundfunk mit ihrem Segelflugzeug auf dem pfahlbespickten Feld und wurden verletzt.

Mittlerweile sind Verhandlungen über die endgültige Enteignung des bisher lediglich auf Grund einer dubiosen "Bescheinigung" in Anspruch genommenen Bauernlandes aufgenommen. Adenauer ist doch für die Landwirtschaft sagte einer der Revoluzzer auf einer in Egelsbach einberufenen Versammlung. Und der Flugplatz samt Umgebung sei gutes Wiesenland, das 150 Kühe ernähre, 450 000 Liter Milch sicherstelle und 200 Wagen Heu bringe. Da