Langsam beginnt sich überall (auch in Kreisen aufgeschlossener Gewerkschaftler) die Überzeugung durchzusetzen, daß Werkzeitungen aus dem Leben der deutschen Betriebe nicht mehr wegzudenken sind. Die Rolle, die Werkzeitungen als Nachrichten- und Diskussionsorgane der Belegschaften spielen, gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Es gibt im Bundesgebiet und in Westberlin heute über 400 Werkzeitungen mit einer Gesamtauflage von 3 Mill. Exemplaren. Bedenkt man, daß auch die Familie des Belegschaftsmitgliedes in den meisten Fällen zu ihren aufmerksamen Lesern zählen wird, so kann man damit rechnen, daß diese 400 Werkzeitungen etwa zehn Millionen Menschen ansprechen.

Beachtung verdient in diesem Zusammenhang eine Leserbefragung, die die Hamburg-Harburger Phoenix Gummiwerke AG. unter der Belegschaft über ihre "Phoenix-Rundschau" abgehalten hat. Die Ergebnisse sind verblüffend. Nicht nur, daß 90 v. H. der Befragten zugaben, die Werkzeitung regelmäßig zu lesen und 83 v. H. erklärten, daß sie auch von der Familie gelesen werde, ging aus der (geheimen) Leserbefragung hervor, daß an der Spitze des Leserinteresses (75 v. H.) Reportagen aus den einzelnen Werksabteilungen und (67 v. H.) Berichte aus der sozialen Arbeit des Werkes stehen. 4 bis 5 v. H. brachten ihr "Mißtrauen" gegen die Werkzeitung zum Ausdruck und bezeichneten ihren Inhalt als "Schmus". Diesen negativen Stimmen steht mit 96 v. H. jedoch jener Block von Betriebsangehörigen gegenüber, die sich für das weitere Erscheinen der Werkzeitung einsetzten. Vielfältig waren übrigens die Wünsche für einen künftigen Ausbau: 48 v. H. der Befragten wünschen Berichte aus der Kautschukforschung und die verstärkte Veröffentlichung von Kurzgeschichten, 29 v. H. möchten Fragen der Ausbildung behandelt sehen, andere wünschen sogar eine Rätselecke, einen Modeteil, Buchbesprechungen, Frauenthemen und Berichte über Theater und Film...

Beachtung verdienen aber auch die Ansichten der auswärtigen Befragten, also von Lesern der Werkzeitung, die nicht Betriebsangehörige sind: 90 v. H. halten die Werkzeitung für einen Beitrag zur Sicherung des Arbeitsfriedens und 82 v. H. entnehmen ihr Anregungen für ihre eigene berufliche Tätigkeit.

Und das Ergebnis dieser Meinungsbefragung: die Werkzeitung dient der Pflege der menschlichen Beziehungen‚ aber es muß wohl auf diesem Gebiet noch mehr getan werden, damit der einzelne nicht in der Masse versinkt.