H. v. V., Kairo‚ Anfang Dezember

In Ägypten bewegt die Frage, "wie kann man die deutschen Baumwollimporteure dahin bringen, wieder ägyptische Baumwolle aus Ägypten einzuführen", die deutschen Kaufleute und die ägyptischen Vertreter deutscher Firmen immer stärker. Das deutsch-ägyptische Handelsabkommen geht naturgemäß von der Voraussetzung aus, daß der Warenaustausch zwischen beiden Ländern im Wert die gleiche Höhe erreicht. Infolge einer grundlegenden Veränderung der ägyptischen Devisenpolitik, die einen beschränkt-freien Devisenmarkt in Dollar und Sterling schuf, mit dem Ziel, der Regierung einen größeren Vorrat in diesen harten Währungen zuzuführen, wurde ägyptische Baumwolle für Käufer in diesen Devisen billiger als im normalen deutsch-ägyptischen Zahlungsverkehr. So konnte sie aus dem Ausland deutschen Importeuren billiger angeboten werden als in Alexandrien von ägyptischen Exporteuren. In der Folge betrugen deutsche Ausfuhren nach Ägypten von Januar bis Mai 1953 rund 84,4 Mill. DM, denen Einfuhren ägyptischer Produkte nach Deutschland im Werte von nur 51 Mill. DM gegenüberstanden ...

Um dieses Mißverhältnis zu beheben, sah sich die ägyptische Regierung veranlaßt, eine Zeitlang Importlizenzen für deutsche Waren nicht zu erteilen und die deutsche Bundesrepublik in das auf dem Dollar- und Sterlingmarkt eingeführte Einfuhranrechtsverfahren (Import Entitlement Account) einzubeziehen. Die so entstandene Nachfrage nach freier DM hat für den ägyptischen Importeur eine zeitweilig 15 v. H. betragende Verteuerung der DM mit sich gebradit, da infolge der geringen Einfuhren aus Ägypten nur wenig DM zur Verfügung standen. Eine solche Verteuerung können natürlich nur wenig deutsche Waren vertragen. So kann es nicht verwundern, wenn in den am Handelsaustausch mit Deutschland interessierten Kreisen in Ägypten eine recht erhebliche Beunruhigung und Besorgnis über die zukünftige Entwicklung um sich gegriffen hat.

Die amtlichen deutschen Stellen (wie die Botschaft und die deutsch-ägyptische Handelskammer in Kairo, das Wirtschaftsministerium in Bonn und der Deutsche Industrie- und Handelstag) sind sich darüber einig, daß der augenblickliche Zustand nur eine Notlösung darstellt, deren Entwicklung eine Zeitlang beobachtet werden muß, ehe neue Vorschläge gemacht werden können, die die deutsch-ägyptischen Handelsbeziehungen aus ihrer derzeitigen Stagnation herausführen könnten.

In der Zwischenzeit haben deutsche Firmen "an der Peripherie" einige beachtliche Erfolge davongetragen, so besonders Hansa Stahl mit Julius Berger in Saudiarabien, wo eine bisher ausschließlich amerikanische Domäne in deutsche Hände übergegangen ist. Auch in Irak ist einer der großen Brückenbauten, die im Rahmen des Aufbauprogrammes durchgeführt werden, deutschen Firmen zur Ausführung übertragen worden.

Im Hinblick auf die zu erwartende •wirtschaftliche Entwicklung des Sudan hat die deutschägyptische ’Handelskammer in Kairo bereits gewisse Fühler nach dem Süden ausgestreckt, die dazu dienen, über eine laufende Analyse des sudanesischen Marktes zu verfügen. Namhafte sudanesische Persönlichkeiten haben in der letzten Zeit Deutschland besucht und lebhaftes Interesse für deutsche Vertretungen bekundet. 6000 Ballen sudanesische Baumwolle konnten nach Deutschland verkauft werden.