So betrachtet, wird es fraglich, ob die Lage der SPD wirklich so hoffnungslos ist, wie es im Augenblick aussieht. Die Schwäche der SPD ist ein permanenter Faktor der Lockerung in der Koalition und der Entwicklung gegensätzlicher Gruppen in der CDU-Fraktion. Lockerung der Koalition und Ausdehnung der Gegensätze in der CDU aber können leicht zu einem permanenten Faktor der Stärkung der SPD werden. Sie ist zwar im Wahlkampf schwer geschlagen worden und hat, was mehr ist, ihre alte ideologische Basis verloren. Aber sie verfügt auch heute noch über einen sehr breiten Unterbau in den Länderverwaltungen, in den Gemeinden, in den Gewerkschaften, in der finanziell mächtigen Sozialversicherung. Und sie besitzt, nachdem man großzügig alle anderen Parteien in die Regierung aufgenommen hat, das Monopol der Opposition im Parlament. Das mag nicht viel scheinen, könnte aber viel werden, wenn es der SPD gelänge, sich zu häuten.

Jedenfalls sollte der Stolz auf den Wahlsieg nicht zur Selbstgefälligkeit führen, die die Interessengegensätze in der CDU-Fraktion verschärfen und eine gewisse penetrante Farblosigkeit, die sie in der großen politischen Linie zeigt, konservieren muß. So einfach ist die Welt nicht, wie sie am Morgen des 7. September aussah. W. Fredericia