Ein paar Parteiabzeichen, die Hitler getragen haben soll, eine Ledermappe, die angeblich einst die Urkunde seiner Ernennung zum Reichskanzler enthielt, einige Aquarelle und Zeichnungen aus dem ersten Weltkrieg, Weihnachtskarten mit Namenszug, sogar ein paar Kritzeleien, man sollte meinen, ein Prozeß um diese Dinge würde doch einige Getreue, zum wenigsten ein paar Neugierige anlocken. Aber nichts dergleichen. Obgleich er in den Zeitungen angekündigt war, fand sich kein einziger Zuhörer, und wären nicht ein paar Journalisten, ein paar Photographen dagewesen, man hätte den Streit der Haushälterin Adolf Hitlers gegen den bayrischen Staat von irgendeiner kleinen Erbschaftssache durch nichts unterscheiden können. Das war das einzig Beachtenswerte daran. Man versteht, warum die Illustrierten aufhören, Memoiren aus jener Zeit zu bringen. Selbst hier bei den Nächststehenden fällt das Wort "Führer" nicht mehr, und dazu ist kein Stirnrunzeln des Richters nötig. Es fällt nicht mehr im Kreis der dienstbaren Geister, in dem Nimbus und Gewohnheit sich üblicherweise am längsten halten. Die Haushälterin, Anni Winter, die 16 Jahre bei ihm war, spricht nur noch vom "Chef". Der persönliche Adjutant, SS-Obergruppenführer Julius Schaub, nennt ihn bürgerlich korrekt "Herr Adolf Hitler", und der Leibphotograph Hoffmann sagt einfach "er".

"Er" hat zum Beispiel einmal beim Kritzeln ein Auto hingemalt, das für die deutsche Familie sein sollte. "So ist der Wagen daraus geworden", sagt Hoffmann – der Volkswagen offenbar, von dem man bisher meinte, er stamme von Porsche. Andere Kritzeleien sind ebenso entstanden, manchmal 20 bis 30 am Tag. Die hier der Nachwelt auf sauberem Karton erhalten sind, meist Risse von Bauten und Möbeln, sollen von einem Nürnberger Parteitag stammen. Ob sie wenigstens für den Psychologen interessant sind?

Man hat nicht den Eindruck, als ginge es hier darum, Dinge in pietätvollem Andenken zu bewahren. Daß es überhaupt vor zwei Jahren zur Beschlagnahme kam, geschah, weil man sie zum Verkauf anbot. Damals hätten Interessenten noch hunderttausend D-Mark dafür geboten: inzwischen sind die Preise rapid gesunken. Wie sehr, ist schwer zu sagen. Aber Frau Winter will sich, so heißt es, schadlos halten, indem sie den bayrischen Staat auf Ersatz des entgangenen Gewinns verklagt – falls das Gericht ihr Eigentum anerkennt Denn eben hat Paula Hitler eingegriffen. Für ihren Bruder habe keine Veranlassung bestanden, der Haushälterin etwas zu hinterlassen, schreibt sie dem Gericht, vielmehr sei im Privattestament von Tag vor seinem Tode "alles, was persönlichen Erinnerungswert besitzt", den Geschwistern vermacht

Bedauerlich, daß die ausländische Presse, fehlte Hätte es eines Beweises bedurft, daß Hitler selbst in der "Hauptstadt der Bewegung" nicht mehr zieht, hier war er. V.