Ho Chi Minh, der seit sieben Jahren mit. Frankreich in einem erbitterten Kampf stehende Führer der vietnamesischen Aufständischen, hat erklärt, daß er zu einem Waffenstillstand bereit sei. Dem kleinen, schmächtigen 62jährigen mit dem weißen Spitzbart und den schmalen Schlitzaugen sieht man Intelligenz und Verschlagenheit sofort an. Er selbst hat einmal von sich gesagt: "Ich habe keinen Namen, keine Familie, keine Kinder und keinen Besitz Der aus diesen W rorten sprechende Puritanismus drückt zusammen mit Nationalismus und Kommunismus dem Leben dieses Revolutionärs und der von ihm gegründeten Unabhängigkeitsbewegung "Viet Minh" den Stempel auf. Revolutionär war Ho Chi Minh von Jugend auf, denn er wuchs in einem Elternhaus auf, in dem nicht nur der Vater, der Beamter am Hofe des Kaisers von Armani war, sondern auch die Mutter und alle Geschwister sich als fanatische Nationalisten und Verächter der französischen Kolonialherrschaft betätigten. Damals trug er freilich nodi nicht den anspruchsvollen Namen Ho Chi Minh — "Spender des Lichtes" — sondern er hieß Nguyen Ai Quok.

Dieser Name, den sein Vater ihm gegeben hatte, bedeutet etwa: "der sein Land liebt" — Vater, Brüder und Schwestern mußten die Teilnahme an aufrührerischen Handlungen gegen die französische Verwaltung mit lebenslänglichem Gefängnis bezahlen. Dem jungen Nguyen Ai Quok gelang es, unter dem Namen Nguyen Ta Tan ("der am Ende Erfolgreiche") als Matrose auf einem Frachter anzuheuern. Nach jahrelanger Seefahrt, bei der er in seiner freien Zeit eifrig Sprachen lernte, schlich ersieh in einem französischen Hafen von Bord, reiste", nun wieder als Ngyuen Ai Quok, nach Paris und verdiente sich als Retoucheur bei einem chinesischen Photographen das Geld für ein Studium an der Sorbonne. In Paris wude er Mitglied der sozialistischen, später der kommunistischen Partei. Als Herausgeber der antikolonialen Zeitschrift "Der Paria" fiel er den Behörden so unliebsam auf, daß er 1923 aus Frankreich ausgewiesen wurde. Er hatte damals aber bereits eine Einladung zur Teilnahme an einem internationalen Bauernkongreß in Moskau in der Tasdie. Es folgte ein siebenjähriger Aufenthalt in der sowjetischen Hauptstadt "Unter dem Namen Song Man Tscho wurde er am Lenin Institut ausgebildet und dann als Dolmetscher an die sowjetische Botschaft in Kanton versetzt. Hier begann er mit dem Aufbau der annamitischen Revolutionspartei. Sie wurde von den Franzosen verboten, das Zentralkomitee floh nach China, kleinere Gruppen organisierten sich als Untergrundbewegung, deren Tätigkeit von Ho Chi Minh unermüdlich geschürt wurde.

Seit der Kapitulation Frankreichs wurde die der Vichy Regierung unterstehende französische Verwaltung in steigendem Maße von den Japanern unter Druck gesetzt, die , schließlich die Verwaltung von Indochina übernahmen. Im Frühjahr 1945 begann die Viet Minh, Ho Chi Minhs "Liga für die Unabhängigkeit Vietnams", einen Guerillakrieg gegen die Japaner.

Nachdem japanischen Zusammenbrach bildete sie dann unter der Präsidentschaft Ho Chi Minhs eine Regierung, die am 2. Dezember 1945 in Hanoi die Republik Vietnam proklamierte.

Die Entwicklung in Indochina wäre anders verlaufen, wenn die Alliierten auf der Potsdamer Konferenz nicht den Beschluß gefaßt hätten, Indochina nadi der Kapitulation Japans durch britische und chinesische Truppen besetzen zu lassen und als Gnze der Besatzungszotten den 16. Breitengrad zu, bestimmen. So kam es, daß im Süden des Landes der britische Kommandeur den Vertretern der Unabhängigkeitsbewegung erklärte, seine Regierung erkenne nur die Autorität der französischen Regierung an. Infolgedessen ließ er die aus japanischer Internierung befreiten waffenlosen französischen Truppen neu bewaffnen. Im Norden dagegen verbot der Befehlshaber der chinesisdien Besatzungstruppen den aus der Internierung entlas_senen französischen Soldaten das Tragen von Waffen. :Im Januar 1946 fanden in dem von chinesischen Truppen besetzten Gebieten Wahlen zur Nationalversammlung Vietnams statt. Ho Chi Minh wurde zum Präsidenten der Republik gewählt und in dieser Eigensdiaft auch von der durch General Leckre vertretenen französischen Regierung in dem