Hannover, im Dezember

Das Kultusministerium Niedersachsens hat über ein bereits diskutiertes Gesetz hinaus – den Entwurf eines neuen Schulgesetzes fertiggestellt, der zwar in der Öffentlichkeit noch nicht bekannt ist, aber bereits scharfe Kritik erfährt. – Landesbischof D. Dr. Lilje als Vertreter des überwiegend evangelischen Teiles des niedersächsischen Volkes hatte sich kürzlich im Sinne der christlichen Gemeinschaftsschulen ausgesprochen und offenbar diese Auffassung dem Ministerpräsidenten Kopf vorgetragen. Nun hat der katholische Bischof Dr. Joseph Godehard Machens von Hildesheim in einem Hirtenbrief, der am ersten Advent von allen Kanzeln seiner Diözese verlesen wurde, in scharfer Form protestiert. Er nennt den neuen Entwurf einen "Schlag gegen unsere katholischen Schulen", weil privaten Bekenntnisschulen nur "nach Maßgabe des Haushaltsplanes und nach den Verordnungen des Landesministeriums" Beihilfe gewährt werden soll. Wenn dieser Entwurf Gesetz wird, so bedeutet er – nach der Auffassung des Bischofs – das Ende der zweihundertjährigen katholischen Schulen in Niedersachsen und den Beginn eines neuen "Kulturkampfes". Der Bischof rügte, daß "kein Wort von christlicher Erziehung" in diesem Schulgesetzentwurf enthalten sei. b.l.