Hameln, im Dezember

Der Gedanke, einer bisher ein wenig abseits von den Orten kultureller Entscheidungen gelegenen Landschaft einen Anziehungspunkt, zugleich eine geistige "Mitte" zu geben, ist in Hameln mit der Errichtung der Weserbergland-Festballe, die jetzt ihre zweite Spielzeit erlebt, verwirklicht worden. Das schöne, moderne Gebäude am Stadtrand umfaßt ein "großes Haus" mit 840 Plätzen für Oper, Operette und Konzert, 875 Plätzen für Schauspiel, und ein "kleines Haus" mit 500 Plätzen für Kammermusik, Liederabende, Studioaufführungen, kleine Ausstellungen, Lesungen und ähnliche Veranstaltungen. Angegliederte Gesellschaftsräume machen die Festhalle (der übrigens eine ausgezeichnete Akustik nachzurühmen ist) auch für Tagungen und Kongresse sehr geeignet.

Schon die seit der Einweihung im Januar dieses Jahres vergangene erste Spielzeit hatte dem jungen Unternehmen einen vollen moralischen Erfolg gebracht, Der Zuspruch der Bevölkerung war so stark, daß aus den Kreisen der Stammbesucher sogar eine Erhöhung der Vorstellungszahl, eine Verlängerung der Spielzeit gefordert wurde.

Der Veranstaltungsplan wird in Zusammenarbeit der Stadt mit dem "Kulturkreis Weserbergland auf der Basis weit ausgreifender Gastspielorganisation aufgestellt. Das Schauspiel wird vom Staatstheater Braunschweig, dem Landestheater Detmold, dem Deutschen Theater Göttingen, dem Landestheater Hannover und dem Stadttheater Hildesheim bestritten; die großen Konzerte in der Hauptsache von dem Niedersächsischen Symphonie-Orchester (das kürzlich mit der neuen Sinfonietta von Walter Abendroth die lebhaft begrüßte erste Uraufführung im großen Hause wagte) oder der Nordwestdeutschen Philharmonie. Doch greifen auf beiden Gebieten die Pläne über den landschaftlichen Rahmen weit hinaus bis zur Verpflichtung internationaler Prominenzen. Bedenkt man indessen, daß für die Erhaltung und Erstarkung eines gesunden Kulturlebens wichtiger als die allübliche Starparade die Pflege kulturellen Eigenlebens bleibt, so wäre zu wünschen, daß das bodenständige Element nicht mit der Zeit allzusehr in den Hintergrund gedrängt würde, sondern jedenfalls als Grundstock aller Unternehmungen auch in Zukunft einen gewissen Vorrang behauptete. St.