Erst im achten Nachkriegsjahr ist es den Machthabern der sowjetischen Besatzungszone gelangen, die industrielle Erzeugung des Vorkriegsjahres 1936 wieder zu erreichen. In der gleichen Zeit hat die Bundesrepublik – bei bedeutend besserer Qualität der Fabrikate – das Anderthalbfache des Vorkriegsproduktionsvolumens erzielt. Da aber innerhalb der Gesamtproduktion der SBZ die Verbrauchsgüterindustrien nachhinken und die Entnahmen, zugunsten der Besatzungsmacht groß sind, hatte die je-Kopf-Versorgung der Bevölkerung mit Industrieerzeugnissen 1952 erst etwa zwei Drittel des Vorkriegsstandes erreicht.

Der Volkswirtschaftsplan 1953 stellte nun in seiner ersten Fassung die bereits seit Jahren verfolgten Ziele in den Vordergrund. Während für die Industriezweige Metallurgie, Maschinenbau und Elektrotechnik Steigerungssätze von einem Viertel bis einem Fünftel gegenüber dem Vorjahr vorgesehen waren, sind die Verbrauchsgüterindustrien nur mit 5–10prozentigen Zuwachsraten bedacht worden. Der Lebensstandard sollte weiterhin planmäßig niedrig gehalten werden. Seit der Jahreswende 1952/53 konnten selbst diese Pläne nicht eingehalten werden. Es entwickelte sich in Mitteldeutschland ein ausgesprochener Versorgungsnotstand. Diese Zuspitzung der Lage führte Mitte 1953 zu einer Revision der sowjetzonalen Industrieplanung, die übrigens Parallelerscheinungen in den anderen Satellitenstaaten hat. Zur Entlastung der SBZ wurden Einfuhren von Lebensmitteln und Rohstoffen aus der Sowjetunion, zum Teil auf Kredit, vorgesehen.

Der "neue Kurs" sollte die Verbrauchsgüterindustrie auf Kosten der "anderen" Industrien bevorzugen. Eine sofortige Änderung des Volkswirtschaftsplanes 1953 war aber nicht möglich. So litt die mitteldeutsche Wirtschaft noch im dritten Quartal 1953 unter ähnlichen Erschwernissen wie im ersten Halbjahr. Die Zuwachsrate der Bruttoproduktion (gegenüber dem gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres) belief sich – nach sowjetzonalen Angaben – auf 14 v. H. Die Energieerzeugung lag weit unter dieser Rate; darüber lagen die Grundstoff- und Investitionsgüterindustrien. Nur wenige Verbrauchsgüter haben sich gegenüber 1952 überdurchschnittlich entwickelt.

Der revidierte Volkswirtschaftsplan für das zweite Halbjahr 1953 erhielt erst Anfang Oktober (!) Gesetzeskraft. Die gesamte Bruttoproduktion soll hiernach (im Vergleich zum ersten Halbjahr 1953) um 14 v. H. gesteigert werden. Die Nahrungs- und Genußmittelindustrie liegt wesentlich über diesem Durchschnittssatz; für andere Verbrauchsgüterindustrien sind nur geringe überdurchschnittliche Erhöhungen eingeplant. Die Energie-Erzeugung, der Bergbau und die Metallurgie sollen noch um 6–9 v. H. gegenüber dem ersten Halbjahr zunehmen. Die höchste Zuwachsrate – um ein Drittel – ist für die Bruttoproduktion der feinmechanischen und optischen Industrien vorgesehen. Hiernach ergibt sich, daß die Erhöhung der Verbrauchsgütererzeugung eher auf die Industrialisierung aufgestockt werden soll, als daß eine Gewichtsverlagerung zugunsten des Verbrauchs geplant ist.

Die Wirtschaftspolitik der sowjetischen Besatzungszone will diese Produktionsausweitungen in erster Linie durch eine starke Verehrung der Arbeitsplätze (um 250 000) erreichen; diese Maßnahme bedingt aber wieder Investitionen und verspricht daher kurzfristig nur Teilerfolge. Laut Abrechnungsbericht für das 3. Quartal 1953 ist die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um rund 150 000 gestiegen. Daneben soll die Ausweitung durch eine Erhöhung der Arbeitsproduktivität (Normerhöhung!) um etwa 10 v. E. angestrebt werden.

Der Einzelhandelsumsatz soll nach diesem "neuen Plan" im zweiten Halbjahr 1953 um ein Drittel höher liegen als im ersten; das entspräche einer Zunahme von rund 4 Mrd. Ostmark. Nach der neuesten Abrechnung lag der Umsatz im dritten Quartal allerdings nur um 14 v. H. höher als im zweiten Quartal 1953. Es ist daher schwer vorstellbar, daß das Plansoll im Rest des Jahres erfüllt werden kann.

Hinsichtlich der Steigerung der Kaufkraft kommt den jüngsten Steuer- und Preissenkungsmaßnahmen Bedeutung zu. Die ab 1. November 1953 gültigen Einkommenssteuersenkmgen sollen nach sowjetzonalen Angaben in den beiden letzten Monaten des Jahres eine Kaufkrafterhöhung um insgesamt 70 Mill. Ostmark zur Folge haben, während die Preissenkungen die Kaufkraft in diesen beiden Monaten um weitere 540 Mill Ostmark steigern sollen.