Reisebücher erfreuen sich immer großer Beliebtheit; aber im allgemeinen vor allem solche, die in fremde Länder, in entlegene Weltgegenden, in das Unbekannte und das Abenteuer führen. Es ist wie mit dem Reisen selbst, das im Zeitalter des massenhaften Schnellverkehrs mehr und mehr in die Weite strebt, an der Bilderfülle, dem geschichtlichen Reichtum, den Spuren des eigenen geistigen Ursprungs aber achtlos vorüberrast. Es ist kein wahres Schauen, Sammeln und Genießen mehr. Man reist nicht mehr, man rast. Man betrachtet nicht mehr, man glotzt.

Auf eine angenehme, lebendige Art den Sinn für echtes Reisen wieder zu erwecken oder, wo er noch da ist, ihn zu stärken und anzureizen, ist eine Publikationsreihe des Prestel-Verlags, München, aufs beste geeignet, ohne daß sie etwa gerade auf diesen Zweck ausginge. Die"Landschaftsbücher" sind vielmehr Erzeugnisse jener "zwecklosen" Liebe zum Gegenstand, die ohne Absicht belehrend und erziehend wirkt. Obendrein noch: auserlesene Gaben für jeden Bibliophilen. Zwei Bände "Rheinfahrt" (258 und 264 Seiten), herausgegeben von Johann Jakob Hässlin, enthalten eine Anthologie klassischer Berichte und brieflicher Schilderungen über die markanten Punkte des gesamten Stromlaufs von der Quelle bis zur Mündung. Bezaubernde Farbbilder und Stiche in geradezu hinreißend vollkommener Reproduktion illustrieren den abwechslungsreichen Text, dessen individuelle Buntheit. dennoch eine Einheit der Überschau ergibt.

Den Band "Franken" (265 Seiten) schrieb, als geschlossene Monographie Alexander Freiherr von Reitzenstein. Obwohl von einer Hand, steht dieses Buch der "Rheinfahrt" an Allseitigkeit der Aspekte um nichts nach. Auch ihm liegt eine Betrachtung von überlegener geistiger Warte zugrunde, die den Leser lehrt, die Dinge im Zusammenhang ihrer Herkunft und ihres Werdens zu sehen. Stefan Roth