Baden-Baden, im Dezember

Die Franzosen – Service des Relations Artistiques der Direction Générale des Affaires Culturelles – in Mainz haben sich mit der Ausstellung "Französische Impressionisten", die zur Zeit in Baden gezeigt wird, viel Mühe gemacht. Sie haben über fünfzig der besten farbigen Reproduktionen von Manet bis Cézanne zusammengestellt. Als die Ausstellung vorher in Rastatt war, fiel dort ein kalter Reif auf die Lichtlandschaften der französischen Impressionisten. Vor dem sittenstrengen Blick des Rastatter Oberbürgermeisters konnten nicht alle Meisterwerke bestehen. Als "sauige Bilder" verfielen einige Akte Renoirs und Manets berühmte "Olympia" dem obrigkeitlichen Bannstrahl.

Inzwischen ist die Ausstellung still und traurig nach Baden-Baden verzogen, wo sie zunächst in der Aula des Gymnasiums gezeigt wurde, aber auch hier nicht vollständig. Dem Kreisdelegierten war der "Rastatter Bildersturm" so in die Knochen gefahren, daß er von vornherein alle "Badenden" aussortierte und die "anstößigen" Bildtafeln verschämt in eine Ecke stellte.

Wenige Tage darauf wurde die Ausstellung im Kurhaus für die Erwachsenen vollständig dargeboten. Und hier wurde den geschmähten Künstlern dann doch eine posthume Genugtuung zuteil: Die Schulklassen rückten noch einmal an. "Dem Reinen ist alles rein!" sagte die Zeichenlehrerin einer Mädchenoberschule. B.G.