Olle Kamellen

Auf der Bermuda-Konferenz fand Bidault mit der Darstellung der inneren Situation der Sowjetunion bei Churchill solches Interesse, daß Churchill sich das Manuskript Bidaults erbat, um es gründlich zu studieren. Bidaults Darstellung bestand hauptsächlich aus dem Cruschtschow-Bericht über die Lage der sowjetischen Landwirtschaft, der am 7. September vom Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion als Beschluß angenommen wurde. Der Bericht ist durch Rundfunk und Presse der Sowjetunion und den Satellitenländern und der Ostzone im vollen Umfang verbreitet worden, so zum Beispiel in mehrseitigen Fortsetzungen in der Ostberliner Täglichen Rundschau vom 15. und 16. September, und auszugsweise in der Presse der ganzen Welt gedruckt worden. Offenbar hat Churchill ihn nicht gelesen.

Kein Vertrag mit den Sowjets

"Von 1925 bis 1950 hat die Sowjetunion neun Nichtangriffspakte, elf Bündnisse, drei gegen den Krieg gerichtete Entschließungen und einen Neutralitätspakt verletzt." Mit dieser Feststellung hat Senator Knowland, der Führer der Republikaner im amerikanischen Senat, seine Zweifel an der Zweckmäßigkeit eines Vertrages mit der Sowjetunion begründet.

Amerikanische NATO

Die Furcht der Amerikaner vor dem Verrat von Atomgeheimnissen ist der wahre Grund für die Ablösung des englischen Luftmarschalls Saunders durch den amerikanischen Fliegergeneral Norstad in General Gruenthers europäischem Oberkommando der NATO gewesen. Die Umbesetzung war notwendig, weil eine für die amerikanischen Streitkräfte gültige Bestimmung besagt, daß Informationen über neue Waffen, besonders über Atomwaffen, nicht an alliierte Dienststellen weitergegeben werden dürfen, auch nicht an Generale. Diese Sicherheitsbestimmungen hätten jeden nicht-amerikanischen General in der Stellung Norstads ohne die elementarsten Kenntnisse von der Entwicklung amerikanischer Waffen gelassen. Angesichts der innenpolitischen Lage können die Vereinigten Staaten von dieser Regelung aber nicht abgehen, ohne damit McCarthy auf den Plan zu rufen. Aus diesem Grunde haben die Regierungen der NATO-Länder die Umbesetzung im Atlantischen Oberkommando ohne Erörterung von Prestigefragen hingenommen.

Ein journalistisches Kuriosum