Wenn auch die abgelaufene Börsenwoche keine durchgreifende Belebung der Aktienmärkte brachte, so war doch nach Überwindung des Steuertermins am 10. Dezember ein gewisser Umschwung in der bis dahin – namentlich bei den Montanen – leicht nachgebenden Tendenz unverkennbar. Unterstützt wurde die Stimmungsänderung durch das neuerliche Eingreifen des aus den USA zurückgekehrten Bundeswirtschaftsministers in das Ringen um die Kapitalmarktreform, die – ginge es nach, dem Willen des Bundesfinanzministers und der entsprechenden Länderressortchefs – noch in diesem Jahr zu den Akten gelegt worden wäre. Angesichts der starren Haltung dieser Stellen dürfte es schwer sein, in absehbarer Zeit zu wirksamen Maßnahmen auf dem Kapitalmarkt zu kommen. Weil man sich an den Börsen diese Auffassung zu eigen gemacht hat, wurde jeder übertriebene Optimismus über Bord geworfen, und man ist dabei, die Bewertung der Kurse auf Grund der neuen Lage zu überprüfen. Praktisch läuft dies auf eine Untersuchung der Gesellschaften auf ihre Dividendenfähigkeit hinaus.

Am schwersten sind die Renditemöglichkeiten bei den Montanen zu übersehen. Die gegenwärtige Lage der Eisen- und Kohle-Industrie ist ziemlich undurchsichtig und Zukunftsprognosen abzugeben, dürfte glattweg unmöglich sein. Immerhin haben einige Gesellschaften bereits feste Dividendenzusagen gemacht, wie zum Beispiel Klöckner-Humboldt-Deutz (6 v. H.?), Mannesmann, Gutehoffnungshütte-Nürnberg (6 v. H.), Stahlwerke Südwestfalen (Anlaufsdividende), Rheinische Röhren, Ilseder Nachfolger (6 v. H. ?) und Rheinstahl, wo von einer Überbrückungsdividende für 1953 aus Rücklagen gesprochen wird. Übrigens haben als zweite der 18 Nachfolgegesellschaften der Ver. Stahlwerke AG. 1. L. jetzt die Stahlwerke Südwestfalen zum Aktienumtausch aufgefordert. Der Aktionär erhält auf je 1000 RM Ver. Stahlwerke Liquidationsanteilscheine 50 DM Aktien der Stahlwerk Südwestfalen AG. Durch die Herausnahme der neuen Aktien aus dem Stahlvereins-Komplex wird die Stahlvereins-Aktie im Kurs abermals reduziert werden müssen, ohne dabei an echtem Wert einzubüßen. Dennoch bleiben Mißverständnisse, wie die Herausnahme der Rheinstahl-Union-Aktien gezeigt hat, nicht aus, wodurch die Stahlvereinsaktien stimmungsmäßig in Mitleidenschaft gezogen werden. Rheinstahl-Union notieren zur Zeit mit 118 v. H. und Stahlwerke Südwestfalen mit 94 v. H.

Der IG-Farben-Markt erfuhr durch die Bekanntgabe der Umsatz- und Produktionsziffern für das 3. Quartal eine Belebung, an der auch wieder das Ausland beteiligt war. Der Umsatz ist erneut um 13,5 v. H. gestiegen, die Mengenproduktion erhöhte sich um 21,5 v. H. Durch diese Zahlen wurden die Dividendenhoffnungen (8 v. H.) untermauert. Die alten IG-Farben-Aktien kamen mit 125 v. H. ihrem bisherigen Höchststand von 126 1/2 v. H. sehr nahe. Auch die anderen chemischen Werte waren gut gehalten, Goldschmidt und Chemische Albert zogen um 3 bzw. 2 Punkte an. Eine Ausnahme bildeten hier Dynamit Nobel, die in der vergangenen Woche 12 Punkte einbüßten. Die Börse ist enttäuscht über das Umstellungsverhältnis, das 1 : 1 betragen soll.

In Fortsetzung, der bisherigen Tendenz konnten die Großbanken wieder kleinere Gewinne buchen. Infolge des angekündigten, Aktienumtauschs, der am 15. März 1954 abgeschlossen sein soll, hat der Markt einen neuen Auftrieb erfahren. Bringt man die in den jetzigen Kursen eingeschlossenen Restquoten in Abzug, dann ergeben sich für die Großbanken folgende DM-Kurse: Deutsche und Dresdner Bank etwa 120 v. H., Commerzbank etwa 112 v. H. Die Restquote wird nach dem Umtausch in den neuauszugebenden RM-Aktien der Banken verbrieft sein, die vorerst ein reines Spekulationspapier der stellen dürften. – In der Diskussion über die Abfindung der Reichsbank-Anteilseigner ergaben sich keine neuen Momente Der Kurs für die Anteile blieb mit 73 v. H. nahezu unverändert

Die Versorgungswerke wurden auf letzter Basis gehandelt. Lediglich RWE und Deutsche Conti Gas büßten einige Punkte ein. Ebenfalls rückläufig waren Accu Hagen, wo die Ungewißheit über die Dividende weiteres Material auf den Markt brachte. Wegen der keineswegs rosigen Lage der Kühlhausbetriebe fanden die in Markt & Kühlhallen herauskommenden Papiere erst zu um 4 Punkte ermäßigten Kurse Aufnahme. Eine lukrative Dividende erhofft man sich bei dem Hamburger Papier Maihak, das um 2 Punkte auf 135 v. H. anzog. Vernachlässigt war dagegen BMW – eine Folge der Dividendenlosigkeit. Auf die Dauer gesehen erscheint der Kurs von 79 1/2 v. H. jedoch nicht gerechtfertigt.

Der Rentenmarktlitt unter Geldbeschaffungsverkäufen. Ein Teil des Publikums löste sich von alten RM-Papieren, um die Mittel zur Zeichnung von steuerbegünstigten Pfandbriefen freizubekommen. Anhaltend gesucht waren demnächst rückzahlbare Industrie-Obligationen, doch blieb das Angebot eng begrenzt. Für Reichsschatzanweisungen wurden Kurse zwischen 4 und 4 1/4 v. H. genannt. Die SPD-Fraktion wird im Bundestag hinsichtlich ihrer. Aufwertung einen Vorstoß Unternehmern bei dieser Gelegenheit ist eine Stellungnahme des in-dieser Angelegenheit federführenden Bundesfinanzministeriums zu erwarten. Hatperner Bonds sind inzwischen wieder auf Ihr altes Niveau (132 v. H.) zurückgefallen. In Börsenkreisen wurde das Umtauschangebot (Verhältnis 1 : 1,5, Beginn der 6 1/2 v. H. Verzinsung ab 1. 7. 1953) mit Zurückhaltung aufgenommen.

An der Hanseatischen Wertpapierbörse wurden beide Ausgaben der 5 v. H. Hamburger Staatsanleihe, von 1952 zur amtlichen Notiz freigegeben; Der Einführungskurs stellte sich auf 98 1/2 v. H. (Zeichnungskurs 97 1/2 v. H.). -ndt