Wie das Heilige profaniert werden kann, vielleicht sogar muß, um sich in der Welt auszuwirken, so kann eine gewisse beschauliche Frömmigkeit auch eine Art Heiligung des Profanen mit sich bringen. So geschieht es in der italienischen Chronik eines Dorfpfarrers von:

Nicola Livi "Erde preise den Herrn" (übersetzt von Hanns von Winter, Verlag Herold, Wien und München. 247 S.)

Das Buch ist ein sogenannter "Bestseller" geworden, jedenfalls in Italien. Ob der deutsche Leser für die manchmal skurrile Mischung von Gläubigkeit, massivem Aberglauben und bäuerlicher Naivität empfänglich ist, die das Buch bisweilen wie eine liebenswürdige Karikatur franziskanischer All-Liebe erscheinen läßt, bleibt abzuwarten. Es bietet gewissermaßen große christliche Tugend in kleiner und kleinster Münze und erfordert, um so zu wirken, wie es wirken will, eine Geduld, die wohl nur auf dem Boden gottseliger Sorglosigkeit gedeihen kann. Daß unsere Gegenwart überhaupt noch ein Beispiel solcher Gemütsverfassung hervorbringt, ist erstaunlich. Aber es mutet eher als ein Kuriosum an, als daß es die Abgründe vergessen machen könnte, über welche hinweg der heutige Mensch den Frieden zu sich herabzuzwingen sucht. th.