Obwohl noch nicht feststeht, welche Aufgabenstellung die Rheinische Stahlwerke, Essen, in Zukunft innehaben werden und ob wohl noch keine endgültige Bilanzierung nach dem DM-Bilanzgesetz möglich ist, darf doch schon jetzt gesagt werden, daß in der Holding Rheinstahl sehr hohe Substanzwerte zusammengefaßt sind und die künftige Rheinstahl-DM-Aktie "goldumrandet" sein wird. Bei einem AK von 170 Mill. RM enthalten die jetzt schon übersehbaren und sicheren Beteiligungsbesitze einen Nominalbetrag von rund 400 Mill. DM. Wie die Verwaltung in einem "Bericht an unsere Aktionäre" mitteilt, können diese bedeutenden Substanzwerte im Umstellungsverhältnis der Aktien von RM auf DM nur soweit zum Ausdruck kommen, wie es die künftigen Ertragsmöglichkeiten zulassen. Dabei dürfte die Entwicklung der Unternehmen der Rheinstahl-Holding diese in die Lage versetzen, in Zukunft wieder zu einer kontinuierlichen Dividendenpolitik zu gelangen.

In der bevorstehenden Bilanz dürfte. der Wertansatz der wichtigsten Beteiligungen nicht unbeträchtliche stille Reserven enthalten. In der RM-Schlußbilanz werden vom gesamten Anlagevermögen etwa 30 v. H. auf die in eigener Regie betriebenen Produktionsanlagen des Bergbaues und knapp 70 v. H. auf Beteiligungen entfallen. Die Verwaltung glaubt, die Vorschlage, zur Kapitalumstellung frühestens im Frühjahr 1954 den Aktionären unterbreiten zu können.

Unter der Rheinstahl-Flagge sind vereinigt zunächst einmal die Arenberg Bergbau-GmbH‚ Essen, mit 140 Mill. DM AK und 267 Mill. DM Aktivvermögen (Bilanz 1. 1. 1952), einer Produktion von 5 Mill. t Kohle, 1,46 Mill. t Koks und über 600 Mill. cbm Gast ferner 29,69 Mill. RM Aktien der A. Riebeck’schen Montanwerke AG‚ Halle/Saale – die mit 2 v. H. (Kurswert zur Zeit etwa 32 v. H.) bilanziert sind –, so daß Rheinstahl jetzt über 39 v. H. und IG Farben über 51 v. H. des Riebeck-AK verfügen; außerdem sind im Portefeuille rund 12,5 Mill. RM Dynamit Nobel-Aktien (über 27 v. H.). Das weitere Großpaket stellen 72 Mill. RM Aktien der Vereinigte Stahlwerke AG dar, mithin 15,65 v. H. des Stahlvereins-AK. Dieses Paket stellt eine Beteiligung von 220 Mill. DM an der Gesamtheitaller VSt-Nachfolgegesellschaften dar. Da sich die Großaktionäre auf eine Nachfolgegesellschaft konzentrieren dürfen, entschied sich die Rheinstahl-Verwaltung für die Weiterverarbeitungsgruppe des Stahlvereins, die jetzige Rheinstahl-Union Maschinen-und Stahlbau AG‚ Düsseldorf, von deren AK von 55,2 Mill. DM Rheinstahl knapp 43 v. H. beherrscht. in dieser Union sind u. a. die Concordiahütte, Dortmunder Union Brückenbau, Eisenwerk Wanheim, Hanomag, Nordseewerke Emden, Siegener Eisenbahnbedarf und Wagner & Co. Werkzeugmaschinenfabrik enthalten.

Nach dieser Konzentration auf die Union hat Rheinstahl jedoch noch einen Überhang von 200 Mill. DM Nachfolge-Aktien des Stahlvereins, die es an sich verkaufen muß. Da ein solcher Verkaufszwang jedoch den Zusammenbruch des Montanaktienmarktes bedeuten würde, haben die Alliierten langjährige transitorische Konzentrationen genehmigt. Dabei bleiben die Aktien unter Treuhandschaft. Rheinstahl hat nach Abstimmung mit den übrigen Großaktionären des Stahlvereins (Thyssen-Gruppe 20,74 v. H., Nederlandsche Hoogovens 4,45 v. H. und Hugenberg-Gruppe 1,3 v. H.) folgende Konzentrationen vorgenommen: Rheinisch-Westfälische Eisen-und Stahlwerke AG (AK 69 Mill. DM), Ruhrstahl AG (AK 34,5 Mill. DM) und Gußstahlwerk Bochumer Verein AG (AK 69 Mill. DM). Alle Beteiligungen brachten, wie zu hören war, gute Erträge, was "ein sehr beglückendes Faktum für die Aktionäre" sei.

Trotz dieser Konzentrationen verbleiben immerhin noch 120 Mill. DM Nachfolge-Aktien, von denen ein kleiner Teil alsbald verkauft werden könnte, während der größere Teil für einen langfristigen Konsolidierungsplan zur Verfügung stehen würde. Es ist zu begrüßen, daß die Rheinstahl-Verwaltung einen geschlossenen Überblick über die organisatorischen und Vermögens-Umwandlungen als Zwischenbericht an ihre Aktionäre herausgegeben hat. Wenn auch für den Aktionär, nicht zuletzt wegen des fehlenden Abschlusses der Stahlvereins-Liquidation, noch kein endgültiger Saldo zu erkennen ist, so ist dennoch übersehbar, daß hinter der Rheinstahl-Holding "etwas Gewaltiges repräsentiert wird", wobei infolge der Konzentration auf neue Objekte das Unternehmen zu einer völligen Strukturwandlung gekommen ist. rlt.