Um sich für die Beibehaltung der Oder-Neiße-Linie als deutsch-polnische Grenze einzusetzen, hätte Daladier nicht nach Polen zu fahren brauchen. Was er in den polnisch verwalteten deutschen Gebieten hätte sehen können, wenn er es hätte sehen wollen, kann zu diesem Ergebnis nichts beigetragen haben. Niemand wird ihm zwar widersprechen, wenn er zur Begründung sagt, daß das polnische Volk furchtbare Opfer habe bringen müssen, niemand würde vielleicht so unhöflich sein, sich ohne besonderen Anlaß dazu zu äußern, daß das kommunistische Polen nach dem Kriege Großes geleistet haben soll. Worin diese Leistung bestehen soll, wenn man von dem allgemeinen Ruin des Landes absieht, oder davon, daß Ostpreußen und Oberschlesien einheitlich auf den vor-kolonisatorischen Zustand von Steppenländern heruntergewirtschaftet wurden, ist nämlich Daladiers Geheimnis und mag es bleiben. Wenn der französische Politiker aber seine Forderung nach der Oder-Neiße-Linie auf die Tatsache stützt, daß es in Polen keine Minderheiten gebe, ohne expressis verbis zu sagen, daß diese Minderheiten, die in den besetzen Gebieten ursprünglich die Mehrheit waren, erschlagen, ausgehungert, verschleppt, unter den barbarischsten Umständen aus dem Lande gejagt oder zwangspolonisiert wurden, so treibt er ein politisch und moralisch unsauberes Spiel. Das soll ihm hier öffentlich bescheinigt werden. Daladier hat es nicht verwunden, daß er sich einmal von Hitler hat betrügen lassen. H. B.