Seit der Mitte der zwanziger Jahre geht es der deutschen Waggonindustrie schlecht. Der Ausbau des deutschen Streckennetzes war etwa 1914 beendet. Die Zusammenfassung der Eisenbahnen der Länder zur Reichsbahn hatte zu einem erheblichen Rationalisierungserfolg geführt, der nicht zuletzt in einer Einsparung von Waggons zum Ausdruck kam. Nach Abschluß der Wiederaufbauarbeiten fielen die vor 1914 üblichen großen Bestellungen an neuen Wagen aus. Bei der Lebensdauer von 30 Jahren, die ein Waggon im Durchschnitt hat, war der verbliebene Ersatzbedarf verhältnismäßig gering, zumal das Durchschnittsalter von Güterwagen in den damaligen Jahren recht klein war. Es bestehen seit dieser Zeit in der deutschen Waggonindustrie Überkapazitäten, die nur über den Export genutzt werden konnten. Auch das ist heute recht schwierig geworden. In der Treibhausluft der nationalwirtschaftlichen Abschließung sind überall in der Welt neue Waggonfabriken entstanden, die Bestellungen von ihren heimischen Eisenbahnen erwarten. Die großen Konkurrenzunternehmen in Belgien, Frankreich und England konnten in den ersten Jahren nach Kriegsende, als überall ein größerer Waggonbedarf bestand, in die Märkte eindringen, die früher der deutschen Waggonindustrie vorbehalten waren. Es bedarf daher ungewöhnlicher Anstrengungen, die Schwierigkeiten im Absatzgeschäft zu überwinden. Bei den nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt bestehenden Überkapazitäten kann ein "Durchbruch nach vorn" nicht versucht werden. Es bedarf vielmehr einer Konzentration der Kräfte durch Konsolidierung und Rationalisierung. Welche Wege hierbei eingeschlagen werden können, müssen die Verhandlungen der kommenden Monate zeigen. Jedenfalls wird es das Ziel sein, die Kapazitäten auf ein vernünftiges Maß zu verringern und sie an den Stellen der höchsten technischen Leistungsfähigkeit zu konzentrieren. Dabei wird es vorerst einmal darauf ankommen, die "goldenen Früchte" der zu treffenden Maßnahmen dazu zu verwenden, den aus der Produktion ausscheidenden Werken eine Umstellung zu ermöglichen. Rlb.