Während noch die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Medizin ganz im Zeichen des Ringens um die Beherrschung der großen Volksseuchen Cholera, Pest, Pocken, Diphtherie und Typhus, steht, wenden sich die medizinischen Bemühungen ab 1900 mehr und mehr den Säuglingen und Kindern zu, so daß man die erste Hälfte unseres Jahrhunderts schon das Jahrhundert des Kindes nannte. Neben der Bekämpfung der reinen Krankheiten tritt jetzt als fast schon gleichberechtigt ein zweites Anliegen der Forschung: die vorbeugende Gesundheitsfürsorge. Wollte man verhindern, daß jedes dritte Kind in den ersten Lebensjahren starb, so mußte es gegen Krankheiten geimpft werden, mußte besondere Vitamine bekommen, mußte vorsorglich ärztlich betreut werden. Der Staat und die gemeinnützigen Verbände organisierten diese vorbeugende Gesundheitsfürsorge.

Krieg und Nachkriegszeit haben dieses System der Gesundheitsfürsorge schwer erschüttert. Der Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen. In einer solchen Situation müssen wir einer kleinen Schrift

Wilhelm Hagen: "Vorbeugende Gesundheitsfürsorge" (Thieme Verlag, 131 Seiten, 7,80 DM).

dankbar sein:

Fast alles ist zusammengetragen, was man wissen muß, wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt. In einem ersten Teil gibt der Verfasser einen Überblick über den Stand der Gesundheitsfürsorge in England, Holland, Frankreich, USA und anderen Ländern. Es ergeben sich interessante Vergleichsmöglichkeiten. Es wird dabei aber auch die Tatsache klar, daß jedes Volk, seinen Eigentümlichkeiten entsprechend, seine Probleme in seiner Art lösen muß. Der zweite Teil der Schrift befaßt sich mit den Verhältnissen und Möglichkeiten der vorbeugenden Gesundheitsfürsorge in Deutschland.

Wie günstig es auch wirtschaftlich ist, Krankheiten durch vorbeugende Behandlung zu vermeiden, kann man eindrucksvoll in der Schrift

"Gesundheit ist Reichtum" von C. E. Hl. Winslow (Georg Thieme Verlag, 48 Seiten, 2,70 DM)