Internationale Atombank

In einer Rede in der UNO entwickelte Eisenhower den Plan einer internationalen Atombehörde, die im Rahmen der Vereinten Nationen die Verwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke entwickeln solle. Zum Ausgangspunkt seines Vorschlages nahm der Präsident die Resolution der Generalversammlung der UNO vom 18. November, in nichtöffentlichen Besprechungen eine Lösung zur Beendigung des Atomwaffen-Wettrüstens zu suchen und hierüber dem Sicherheitsrat bis zum 1. September 1954 zu berichten/ Um die in Ost und West bestehende "Atomfurcht" zu verringern, schlägt Eisenhower vor, daß die hauptsächlich interessierten Regierungen im Rahmen der durch elementare Klugheit gegebenen Grenzen Uran und sonstiges spaltfähiges Material an die internationale Atomenergie-Behörde liefern. Über die Lieferungsquoten und andere Einzelheiten könne man sich in den nichtöffentlichen Besprechungen einigen. Die internationale Behörde solle für die Einlagerung und den Schutz des gelieferten Materials verantwortlich sein. Hauptaufgabe dieser Behörde sei, Methoden zu entwickeln, um dieses Material friedlichen Zwecken der Landwirtschaft und der medizinischen Wissenschaft dienstbar zu machen, vor allem aber, um die Gebiete, die keine oder nur mangelhafte Stromversorgung haben, mit elektrischer Energie zu versorgen. Der Vorschlag habe den großen Vorzug, daß er ohne den gegenseitigen Argwohn ausgeführt werden könne, der jedem Versuch zur Schaffung eines Systems weltumspannender Atom-Inspektion und -Kontrolle anhafte. Zum Schluß erklärte der Präsident, er sei sicher, daß der Kongreß einen Plan billigen werde, der erstens die friedliche Verwendung von spaltbarem Material fördert, zweitens die Atomwaffenvorräte in der Welt vermindert, drittens erkennen läßt, daß die Großmächte in Ost und West an friedlichen Zielen mehr interessiert sind als an der Entwicklung kriegerischer Waffen, und viertens einen Weg zur friedlichen Diskussion öffnet, wenigstens aber eine Annäherung zur Lösung der vielen schwierigen Probleme in geheimen und öffentlichen Besprechungen einleitet, damit sich die Welt von der auf Furcht beruhenden Passivität befreien könne. Eisenhowers Vorschlag bedeutet die Aufgabe des Baruch-Planes, der außer einer rigorosen internationalen Kontrolle der Atomkrafterzeugung die Abschaffung des Vetos gegen die Bestrafung bei Verstößen vorsah und einer internationalen Atomenergiebehörde das Monopol der Produktion von Atomenergie gab. Der Baruch-Plan ist von der Sowjetunion mit der Begründung abgelehnt worden, daß zunächst ein internationales Verbot der Herstellung und des Einsatzes von Atomwaffen erfolgen müsse, ehe eine internationale Kontrolle errichtet werde. Die Bedeutung, die Washington dem Eisenhower-Plan beimißt, geht schon daraus hervor, daß der amerikanische Botschafter Charles Bohlen die Weisung erhielt, den sowjetischen Außenminister Molotow vor der Rede Eisenhowers zu informieren. Bei einem zweiten Besuch Bohlens bei Molotow, der nach der Rede stattfand, erläuterte der Botschafter die Vorschläge im einzelnen. Am Schluß dieser Unterredung erklärte der Außenminister, die sowjetische Regierung werde der Rede des Präsidenten ernste Aufmerksamkeit schenken.

Offensive in Indochina

Mit dem Ende der Regenzeit hat in Indochina die vom französischen Oberkommando erwartete Offensive der Vietminh-Streitkräfte eingesetzt. Das erste Ziel dieser Offensive war die Hauptstadt der Thai-Provinz, Laitschau, die nach heftigen, für die Franzosen verlustreichen Kämpfen besetzt wurde. Die siegreiche 316. Elitedivision der Vietminh ist über Laitschau nach Süden in Richtung auf den 75 Kilometer entfernten Stützpunkt Dies Bien Phu vorgestoßen, in den laufend französische Verstärkungen auf dem Luftwege befördert werden.

Inzwischen hat Ho Chi Minh, der Präsident der demokratischen Republik Vietnam, sein Friedensangebot in zwei direkten Radio-Botschaften an die Adresse Frankreichs erneuert.

Gleichzeitig forderte in Saigon der vietnamesische Ministerpräsident Nguyen Van Tam den Staatschef Bao Dai in ultimativer Form auf, seine Zustimmung zur Bildung einer neuen Regierung des nationalen Zusammenschlusses unter Beteiligung der national-radikalen Kreise zu geben. Ferner solle er Neuwahlen ausschreiben und schließlich mit der Regierung Ho Chi Minhs Fühlung nehmen, zwecks späteren Abschlusses eines Verständigungsfriedens.

Stillstand in Korea