Die Preisbewegung auf den Lebensmittel- und Rohstoffmärkten der Welt verlief für die Produzenten in den ersten beiden Dezemberwochen etwas günstiger als in den vorhergehenden Berichtsperioden. Während bisher die Rückgänge überwogen, ist das Verhältnis diesmal umgekehrt. Von den 36 wichtigsten Welthantlelsartikeln, deren Preisentwicklung von uns regelmäßig verfolgt wird, haben 17 leichte Preiserhöhungen auf-, zuweisen, 8 sind unverändert geblieben, und nur bei 11 haben die Notierungen, nachgegeben. Irgendwelche besonderen Gründe liegen dabei weder für die Preisbesserungen noch für die rückgänge vor. Vor allem ist nirgends ein ungewöhnlicher Bedarf aufgetreten. Am wenigsten zu erklären sind die neuen. Preiserhöhungen für Weizen und Zucker, wo eine Überproduktion allergrößten. Ausmaßes besteht und das Abzuggeschäft nach wie vor äußerst schleppend ist. In beiden Fällen übersteigen die letzten Notierungen bereits die durch internationale Abkommen festgesetzten Mindestpreise – Weizen allerdings nur um 1/8 $cts je bu, Zucker aber bereits um 5 cts je Ib. Die Ausfuhr von Weizen aus den USA ist unverändert gering und bleibt ständig hinter den vorjährigen Zahlen zurück. Aber schon die Ankündigung von beabsichtigten Regierungskaufen, selbst wenn es sich dabei nur um kleinere Mengen handelt, bringt jedesmal einen Preisauftrieb mit sich. Und solche Ankündigungen sind in der Berichtsperiode mehrere Male vorgekommen Auch die Bereitstellung von 55 Mill. $ für England zum Ankauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse in den USA, deren Gegenwert fürVerteidigungsmaßnahmen Englands benutzt werden soll, hat zu der Preisbefestigung für Weizen (aber auch für amerikanische Ole und Fette und für Tabak) beigetragen.

Es erscheint als äußerst zweifelhaft, daß England Getreide In den USA einkaufen wird, da es auf allen übrigen Märkten heute billiger abgegeben wird, u. a. auch in Kanada, das Weizen jetzt außerhalb des Weizenabkommens um etwa 16 cts je bu billiger als die USA anbietet. Außer in Kanada hat England auch aus Argentinien große Mengen Weizen bezogen, wozu neuerdings auch einige Ladungen aus den Schwarzmeerhäfen und aus Frankreich hinzugekommen sind. – Von der Bundesrepublik sind in den letzten Wochen ebenfalls verschiedene Schiffsladungen Getreide in Argentinien angekauft worden. Weitere Käufe sollen folgen. Die Bundesregierung soll sich nach Meldungen aus Buenos Aires bereit erklärt haben, 100 000 t Weizen sowie größere Mengen Mais, Häute und andere Landesprodukte abzunehmen, um das hohe argentinische Defizit in der Handelsbilanz abzubauen. – Von den übrigen Getreidesorten sind Roggen und Hafer In Chikago und New York gestiegen, während die Preise für Mais in den USA und für Gerste in Winnipeg nachgegeben halten.

Der Lokopreis des Weltzucker-Kontraktes ist in der Berichtsperiode von 3,12 auf 3,30 $cts je lb gestiegen. Für den neuen Preisanstieg waren anscheinend Pressemitteilungenmaßgeblich, daß Kuba die Ernte 1954 auf etwa 5 MiH. sht beschränken will. Demgegenüber ist aber, zum mindesten für des laufende Jahr, mit einem stärkeren Angebotsdruck den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang zu rechnen, die größere Zuckerrübenernten als je nach dem Kriege eingebracht haben. Die CSR hat bereits 30 600 t Zucker nach Indien verkauft und dabei Kuba ausgeschaltet, und die deutsche Sowjetzone hat sich erboten, Zucker nach Westdeutschland zu liefern.

Die Preisbewegung auf dem Markt der Ole und Fette war sehr unterschiedlich.Von den tierischen Fetten ist Schmalz auf Grund von besseren Ausfuhraussichten, die sich aber noch nicht realisiert haben" im Preise gestiegen, der Talgpreis blieb dagegen bei nachgebender Grundstimmung Unverändert. Von den vegetabilen Ofen gingen Baumwollsaatöl. Sojabohnenöl und Erdnußöl leicht im Preise zurück, während Kopra, Palmöl und Leinsaat anzogen. Größere Umsätze waren in keinem dieser Artikel zu verzeichnen.

Das wichtigste Ereignis auf dem Gebiete der NE-Metalle war in der Berichtsperiode ohne Zweifel die erfolgte Einigung der Internationalen Zinnkonferenz in Genf auf ein Zinnabkommen. Man hatte mit Bestimmtheit erwartet, daß auch diese Verhandlungen so ergebnislos wie die über Kautschuk und Baumwolle ausgehen würden und war von dem Erfolg überrascht Das neue Abkommen sieht die Gründung eines internationalen Zinnratse mit Sitz In London vor, der Angebot und Nachfrage auf dem Zinnmarkt mit Hilfe eines Ausgleichsvorrats an Zinnmetall bis zu 25 800 Longtons regeln soll. Gleichzeitig ist ein Mindestpreis von 640 £ und ein Maximalpreis von 880 £ je lgt festgesetzt worden. Der Zinn preis in London, der Anfang des Monats auf 625 £ je t gesunken war, ist nach erfolgter Einigung in Genf auf 660 £ gestiegen, in den letzten Tagen aber auf 645 £, also auf 5 £ über den Mindestpreis zurückgegangen. – Die übrigen Metallpreise sind in der Berichtsperiode fast unverändert geblieben. ol