Zwei Stunden später besuchten wir in der Negeruniversität von Houston das "Art Department". Ich hatte Gemälde der schwarzen Lehrer dieser Schule gesehen, die zwar beladen waren von den Problemen ihrer eigenen Welt, literarische Bilder, wie wir das nennen. Aber sie waren nicht revolutionär-aggressiv wie die Werke der mexikanischen Künstler, sondern versöhnend. Links standen auf einem dieser Wandgemälde in groß und streng komponierten Figurengruppen die Sklaven der Vergangenheit, in der Mitte hatte Onkel Tom die Säule der Tyrannei eingerissen, rechts zeigte sich in geschäftigen Gruppen der Ärzte, Wissenschaftler und häuslicher Szenen der Wunschtraum für die Zukunft. Doch kein Weißer war auf diesen Bildern zu sehen. So hieß der Traum also vielleicht tatsächlich "separate but equal"? Die jungen Lehrer, die ich traf, waren frei von Rassenkomplexen, und voller Selbstbewußtsein, und auch ihr erstes Wort hieß: "How do you like our country?" Als ich – wahrheitsgemäß und überzeugt antwortete, wie sehr es mir gefalle, zog ein zufriedenes Lachen über ihre Gesichter, und Mr. Biggers, der Leiter der Schule, sagte froh: "That makes me feel good" – "Es ist ein großartiges Land." So erstarb meine Frage nach der Segregation.

"Wenn Sie wirkliche Amerikaner sehen wollen, müssen Sie nach Texas gehen ...", hatten Amerikaner mir schon in Europa geraten. Das Glück schenkte mir eine Einladung auf die eine Flugstunde von Houston entfernte King Ranch, die mit 900 000 acres und 80 000 Rindern die größte Ranch in den Vereinigten Staaten ist, ein Staat im Staat. Sie feierte in diesen Wochen ihr hundertjähriges Bestehen und ist Eigentum einer der ältesten Familien des Landes. Noch an diesem Abend flog ich ab, dorthin, nach Corpus Christi am Golf von Mexiko ... (Wird fortgesetzt)