Wenn ich zurückdenke, dann scheint es mir, daß das Weihnachtsfest nur ein blasser Abglanz ist von dem, was einmal war. Der Karpfen war König und ein knuspriges Schnattergänschen die Favoritin, aber auch Schildkrötensuppe, Austern und Kaviar, Gänseleberpastete, Seezunge in Butter gebraten, Fasan mit Rotkraut und Ananascreme waren erschwinglich.

Wenn man mit den Wölfen lebt, muß man mit ihnen heulen. Diesmal bereitete ich, so gut ich kann, ein richtiges "Christmas Dinner" vor. Wäre ich reich, dann würde ich es mit Hummer beginnen, dessen Rezept ich einem kornischen Fischer verdanke. Zu dieser delikaten Vorspeise bricht man das Schalentier in Stücke, röstet es in Butter und ein wenig Olivenöl, würzt mit Cayennepfeffer, fügt einen Löffel Tomatenmark hinzu und vergißt ein Gläschen Branntwein nicht. So aber begnüge ich mich mit frischen Krabben auf heißem gebuttertem Toast. Mein Piece de Résistance wird eine wahre Farbensymphonie sein, ein mit Bratwürstchen gefüllter goldenglänzender Puter, umgeben von rosa Specklöckchen und dunkel getönten Champignons, seine Soße wie brauner Lack. Dazu reiche ich smaragdene Kohlknöspchen, brennendrote Preiselbeeren, milchkaffeefarbenes Kastanienmus und Weißbrotsoße, matt und glatt wie Elfenbein. Für diese traditionelle Zuspeise vermischt man einen Viertelliter Milch mit zerpflücktem Weißbrot, legt eine mit Nelkengewürz besteckte Zwiebel hinein, schmeckt mit Pfeffer und Salz ab und rührt das Ganze zwanzig Minuten lang auf kleinem Feuer, bis sich die Flüssigkeit verflüchtet hat. Nun holt man die Zwiebel heraus und verarbeitet den Brei mit ein bißchen Butter und Sahne. Als Süßspeise serviere ich noch heiß aus dem Ofen mürbe Törtchen mit "Mince Meat" gefüllt, süßem Hackfleisch aus Rosinen, Mandeln und kandierten Fruchtschalen oder brennenden Plumpudding, aber davon nicht zuviel, denn er ist schwerverdaulich. Und zuletzt kommt Stilton auf den Tisch, blaugrün geädert, doch anders als Roquefort oder Gorgonzola.

Solch ein Mahl wäre unvollkommen, wenn es nicht vom richtigen Wein begleitet wäre: Sherry zur Vorspeise, Mosel- oder leichten Rheinwein zum Fisch, dunkelroten Montrachet zum Vogel, ein Gläschen Portwein zum Käse. Und vielleicht bringt mir ein guter Freund eine Flasche alten Kognak mit. Der würde mich in jene Stimmung versetzen, in der man ausspricht, was man am meisten auf dem Herzen hat: Friede auf Erden! Anielka Elter