Die Banken berichten übereinstimmend, daß sich das Interesse der Kundschaft im Augenblick auf den Jahresabschluß 1953 konzentriert und als Folge daraus in großem Umfange 7c- und 7d-Gelder gezeichnet werden. Da die hierfür erforderlichen Mittel in den meisten Fällen erst flüssig gemacht werden müssen und man dabei auch auf den Verkauf von Wertpapieren zurückgreift, leidet die Kursentwicklung an den Börsen zur Zeit unter dem stetigen Angebot meist kleinerer Beträge, die angesichts der ohnehin lustlosen Tendenz oft nur unter Abschlägen unterzubringen sind. Die Kundschaft macht sich frei von den sogenannten "Blindgängern", das heißt, von solchen Papieren, die in der Rendite entweder zu niedrig liegen oder dividendenlos geblieben sind und voraussichtlich auch noch bleiben werden.

In diese Rubrik entfallen die BMW – Aktien, die in der vergangenen Woche um 12 bis 13 Punkte auf 68 v. H. zurückfielen, nachdem die der oHV vorgelegten Bilanzzahlen erkennen ließen, daß hier vorerst keine Dividende zu erwarten ist. Außerdem wurde die eventuell einzuführende Fünftagewoche für die Automobilproduktion als verstimmend vermerkt. Es gibt allerdings Leute, die sich durch derartige Tagesnachrichten nicht beeinflussen lassen und die BMW-Aktien für ausgesprochen preiswert halten und dementsprechend handeln. Vielleicht ist diese Ansicht nicht einmal, falsch, – denn sie wird untermauert durch die hohen Abschreibungen, die das Werk in den letzten Jahren vorgenommen hat. Die Rentabilität würde vermutlich durch Aufträge, die im Zuge der EVG anfallen könnten, vollends gesichert sein.

Zu den Papieren, aus denen sich jetzt mancher "hinausstehlen möchte, gehören auch die Reichsbank- Anteile. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die bislang inoffiziell vom Bundeswirtschaftsministerium vertretene 10:6-Umstellung keineswegs so willkürlich ist, wie man es in Kreisen der Anteilseigner bisher dargestellt hat. Der zuständige Referent im Bundeswirtschaftsministerium, Ministerialrat Dr. Hans Henkel, hat in einem Zeitschriftenartikel den Weg dargelegt, den das BWM unter Umständen zu gehen gedenkt. Er ist in seiner Methode der gleiche, wie ihn die Großbanken bei ihrer Umstellungsrechnung gehen mußten und endet in der schon erwähnten 10:6-Umstellung in Bundesbankanteilen, die jedoch erst zum 1. Januar 1955 in Frage käme. Unter diesen Umständen notieren, die Reichsbankanteile mit 70 v. H. noch um rund 20 Punkte zu hoch. Um neue spekulative Kursbewegungen zu vermeiden, wäre es zu begrüßen, wenn in Zusammenarbeit mit den Schutzvereinigungen wenigstens über das Prinzip der Abfindung in allernächster Zeit eine Einigung erzielt werden könnte.

Der Geschäftsbericht und die Bilanz der Chemie-Faser AG (Phrix-Konzern) mit den aus Gewinnvortrag und Teilauflösung der Rücklagen gedeckten Millionen-Verlusten haben die Börse nicht beeindrucken können. Daß es in den Phrix-Gesellschaften nicht zum besten stand, war bekannt, und man hatte sich im Hinblick auf die Kurse darauf eingestellt. Eine aktive Kurspflege sorgte außerdem dafür, daß der Kurs bei Chemie-Faser mit 55 v. H. ziemlich unverändert blieb. – Mit dem Zweck, eine Offenlegung der Gesellschaftsverhältnisse bei der Phrix-Werke AG zu erreichen sowie die Einberufung einer aoHV zu erzwingen, wurde in Hamburg, wie bereits berichtet, ein Aktionärsverein ins Leben gerufen. Die Erklärungen, die die Staatsanwaltschaft vor. einiger Zeit zur laufenden Untersuchung gegen den ehemaligen Phrix-Vorstand abgab, klangen für die Aktionäre nicht gerade beruhigend.

Zu einer für die Banken erfreulichen Entwicklung kam es anläßlich der Börseneinführung der Aktien der Nachfolge-Instituteder Großbanken, deren Handel zunächst "per Erscheinen" möglich ist. Die Nachfolge-Banken ließen ihre Einführungskurse bald hinter sich und lagen am Wochenschluß bis zu 4 Punkten höher. Die Nachfolgegesellschaften der Deutschen Bank notierten zu 123,50 v. H., die der Dresdner Bank ebenfalls zu 123,50 v. H. und die der Commerzbank zu 119,50 v. H. In diesen Kursen ist die bislang in den RM-Kursen eingeschlossene Restquote nicht enthalten, da diese in Zukunft in den neu herauszugebenden RM-Aktien der Großbanken verbrieft sein wird. Mit diesen DM-Kursen sind die Großbanken ziemlich an die Spitze der Bank-Aktien cerückt. Im norddeutschen Raum werden sie lediglich durch die Hamburger Vereinsbank übertroffen, die in DM umgerechnet mit 126 v. H. gehandelt wird.

Montanwerte und IG – Farben erlebten mehr oder weniger große Schwankungen, ohne daß sich hierbei Sonderbewegungen ergaben. Das gleiche gilt für die Elektro-

werte, von denen Siemens durch die geplante 100-Mil.-DM-Anleihe von sich reden machte. Diese Anleihe soll – wie man erfährt – zu 7 1/2 v. H. verzinslich sein und sich somt von den bisherigen 8-v.-H.-Industrieanleihen abheben. Ohne Zweifel werden die Siemens-Papiere ohne Schwierigkeiten ihren Markt finden und so stark sein, um eine ähnlich ausgesandte Bundesanleihe – sollte diese zum gleichen Termin aufgelegt werden – aus dem Felde zu schlagen; denn unter gleichen Voraussetzungen gibt die Kreditwürdigkeit den Ausschlag, von der man beim Bund, solange er die Frage der alten Reichsschulden weiterhin in laxer Weise behandelt, nur unter Vorbehalt sprechen kann. – ndt.