Überwog die Freude oder überwog das bloße Staunen, als ein, allerdings einzigartig erhaltenes unbeschnittenes Exemplar von Goethes "Römischem Carneval" (erschienen in Weimar Anno 1789) auf der 55. Auktion des Buch- und Kunstantiquariats Dr. Ernst Hauswedell in Hamburg von 510,– DM Anfangsgebot auf 4150,– DM gesteigert wurde? Ein Hamburger und ein Kopenhagener Antiquar, beide mit unlimitierten Aufträgen, lieferten sich eine der spannendsten Schlachten, die man je bei Auktionen erlebte. Beiden standen die Schweißperlen auf der Stirne; schließlich siegte Kopenhagen mit einer knappen Länge Vorsprung. Das Tröstliche bei solch sportlicher "Materialisierung" geistiger Werte ist vielleicht das Gefühl, daß hinter einem so hohen Gebot ein kenntnisreicher Liebhaber steht, denn bloßer Sammlerfanatismus würde sich wohl ein anderes Objekt ausgesucht haben.

Doch war dies nicht die einzige Sensation in den beiden Tagen. Eine aus 12 Folianten bestehende Sammlung von handgezeichneten und altkolorierten Karten Ludwigs XIV. (sie kam aus dem Besitz des ehemaligen hannoverschen Königshauses) ging für 23 000,– DM an die Bibliotheque Nationale. Bei einem Katalogwert von 20 000,– DM begann das Gebot hier mit 17 Mille. Es war durchaus verständlich, daß von französischer Händler- und Sammlerseite für dieses Unikum ebenfalls großes Interesse bestand.

Erfreulicherweise blieb vieles Gute in deutschem Besitz, trotz sehr reger Beteiligung des europäischen Auslandes. Der Anteil Amerikas ist gegenüber den letzten Auktionen stark abgeflaut. Aber die Preise zeigten eine weitere Befestigung, und es gingen nur wenige Nummern zurück. C. O. F.