Uns ist der folgende Brief mit der Bitte um Veröffentlichung zugegangen:

Ihr Korrespondent, Herr Reichelt, Düsseldorf, vertritt in einer Polemik gegen Dr. Bender ("Mitbestimmung bei einer Holding", ZEIT Nr. 51) die Auffassung, daß die Montan-Holding nicht unter das Mitbestimmungsgesetz Kohle–Eisen fällt. Ich stimme ihm darin zu. Ich darf daran erinnern, daß ich bei der Schlußberatung des Kohle–Eisen-Mitbestimmungsgesetzes im Bundestag Anträge der SPD-Fraktion, die die Holding einbeziehen wollten, im Namen der Fraktion der CDU/CSU ausdrücklich abgelehnt habe. Herr Reichelt benutzt aber diese Gelegenheit, den Mitbestimmungsgesetzentwurf, den die CDU/CSU-Fraktion unter meiner Federführung im Frühjahr 1950 vorgelegt hat (Herr Dr. Bender war daran mit keinem Federstrich beteiligt) und der im wesentlichen heute in dem Betriebsverfassungsgesetz geltendes Recht geworden ist, dadurch zu diskriminieren, daß er ihn in Verbindung mit den alliierten Entflechtungsvorgängen bringt!

Dr. Gerhard Schröder, Bundesminister des Innern

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Nach Rücksprache mit dem Verfasser des Artikels ergibt sich hierzu die folgende Stellungnahme der Wirtschaftsredaktion:

Es ist nicht recht ersichtlich, warum Minister Dr. Schröder glaubt, nachdrücklichst Verwahrung gegen das einlegen zu müssen, was unser Kollege Reichelt über die Vorgeschichte des Mitbestimmungsgesetzes schrieb, soweit sie sich in Düsseldorf abgespielt hat (nämlich im Schoße der Stahltreuhänder-Vereinigung). Was die Zuschrift über die Entstehung des Betriebsverfassungsgesetzes im "parlamentarischen Raum" von Bonn besagt – daß sie nämlich nicht in Verbindung mit den alliierten Entflechtungsvorgängen zu bringen sei – ist von uns aus nicht zu bestreiten. Wir haben aber auch insofern nichts zu berichtigen oder zurückzunehmen. Denn in dem betreffenden Artikel war lediglich von Erwägungen, Vor- und Hilfsarbeiten bezüglich – des "Kohle–Eisen-Mitbestimmungsgesetzes" die Rede, die von Mitgliedern der Stahltreuhänder-Vereinigung – also des zur Durchführung der "alliierten" Entflechtung geschaffenen Organs – angestellt oder geleistet worden sind. Mit einem solchen Hinweis (wie er durch die Bezugnahme des Herrn Dr. Bender auf seinen seinerzeit in der "Welt" erschienenen Artikel veranlaßt worden ist), werden u. E. weder die ehemaligen Stahltreuhänder "diskriminiert", noch die Väter irgendwelcher Gesetzentwürfe oder Gesetzestexte.

Zum mindesten hat die Absicht einer solchen Diskriminierung der Redaktion ebenso fern gelegen, wie dem Autor. Diesem kam es nur darauf an, jenen unglücklichen und in seinen einzelnen Phasen heute nicht mehr leicht überschaubaren Zeitraum in die Erinnerung zurückzurufen, in dem von den Stahltreuhändern gleichzeitig (abschließend) an der Entflechtung und (vorbereitend) an der Mitbestimmungsregelung gearbeitet wurde: was ja, der Tendenz nach, eben nur zwei Seiten ein und derselben Sache waren ("Entmachtung der Konzern-Herren", um den labour-sozialistischen Slogan zu gebrauchen). Diese Rückschau erschien, wie gesagt, notwendig in Abwehr der von Herrn Dr. Bender mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit vorgetragenen Darstellung, die ja wohl eine ausführliche Kritik verdient hat – worüber wir uns nun erfreulicherweise mit Herrn Dr. Schröder völlig einig sind.