E.T., Leverkusen

Die jungen Fische schwimmen dem älteren nach", so lautet der Kommentar zu Josef Faßbenders witzigem Plakat für die Ausstellung der "Jungen deutschen Maler 1953" im Leverkusener Museum Schloß Morsbroich. Das ist warnend, aber auch aufmunternd gemeint. Aufmunternd, denn ein guter "alter Fisch" kann die jüngeren in die richtigen Gewässer leiten; warnend, weil die kleinen Fische oft nicht merken könnten, daß sie auch ihre eigenen Wege schwimmen dürfen. Daher ist Faßbenders Plakat nicht nur ein guter Bildwitz, sondern auch eine metaphorisch ausgedrückte Problemstellung.

Anlehnung oder Selbständigkeit –: das ist die Frage. Aber können Begriffe als wesentliche Kriterien einer solchen Ausstellung gelten? Man läßt sie wohl besser aus dem Spiel, nicht nur, weil man sich in der Aufzählung der großen Fische dauernd wiederholen müßte, sondern vor allem aus dem Grund, daß es vor allem auf die ursprüngliche, naive, aufbegehrende oder suchende Gestaltung junger Menschen ankommt. Die Neue Rheinische Sezession hat sich daher ausdrücklich gegen. die Interpretation ihrer Veranstaltung als "Suchaktion" für eigenen Nachwuchs gewandt.

Hier einige Zahlen: Es kamen etwa 1300 Arbeiten aus dem Wettbewerbsgebiet zusammen. Neun Zehntel wurden von der Jury (Mitglieder der Neuen Rheinischen Sezession und des Leverkusener Kulturausschusses) ausgeschieden, entweder wegen allzu perfekter Handhabung eines erfolgreichen Stils oder wegen unkünstlerischer Sicht. Anhänger der Abstraktion und des Naturalismus wurden gleichmäßig davon betroffen. 74 Teilnehmer, darunter 14 Malerinnen, bestanden den Aussiebeprozeß, und 118 Arbeiten aller Techniken hängen in der Ausstellung. Rund die Hälfte der Maler stammt aus dem Rheinland, also dem Raum Köln-Düsseldorf. Die nächste Gruppe stellt Berlin (zehn). Es folgen Südwestdeutschland (sechs), Norddeutschland (fünf), Süddeutschland und Westfalen mit je vier und Mitteldeutschland mit zwei. Ob sich aus dem Ergebnis etwas über die künstlerische Fruchtbarkeit der Landschaften schließen läßt? Das wäre für den Westen schmeichelhaft.

Die künstlerischen Glaubensbekenntnisse der jungen Generation sind überwiegend "abstrakt" formuliert. Aber die Mitteilung, daß die meisten Bilder abstrakt oder gegenstandslos sind, sagt natürlich wenig über die Qualität und die besonderen Bildprobleme des einzelnen. Nur soviel läßt sich ablesen –: daß die Naturnachahmung die meisten jungen Maler nicht interessiert. Aber auch der Expressionismus gilt als Vorbild nicht mehr. Was gilt?

Da ist der erste Preisträger Buja Bingemer Kölner, 26 Jahre alt. Daß er handwerklich ausgebildet und mit einem Sinn für Farbe begabt ist, tritt deutlich zutage. Bei stilkritischer Wertung ist ein Hinweis auf Meistermann schnell zur Hand. Aber Bingemers Bilder unterscheiden sich doch auf originelle Weise von allen Vergleichen. Er folgt weniger irgend jemandem, als daß er auf übernommener Grundlage – etwa der von Meistermann – etwas Eigenes begonnen hat. Surrealistische, ostasiatische, dekorative und gegenständlich-symbolische Elemente sind in den Bildern vorhanden, in der preisgekrönten "Kathedrale" sogar ein Zug zum Mystischen. Aber es gibt keinen "Generalnenner". Und gerade deshalb, weil er nicht "festgelegt" ist, hat sich die Jury mit Recht für ihn entschieden.

Zweiter wurde Günter Wolfram Sellung aus Düsseldorf (geboren 1925), der gegenstandslos malt. Sein prämiiertes Bild "Stilleben" ist etwas ungebärdig, aber entschlossen angelegt und durchgeführt Ob er noch eine Chance gegenüber den Älteren hat? Der dritte Preis wurde einem "fertigen" Maler zuteil, Clemens Fischer aus Köln, der mit 35 Jahren der älteste unter den Jungen ist. Seine pastellfarbigen Bilder in kleinem Format sind still und äußerst sensibel: ein festumgrenztes Paradiesgärtlein ungegenständlicher Farbkultur. Hans-Albrecht-Schilling aus Bremen (geboren 1929) erhielt den vierten Preis für seine konstruktivistisch-glatten Gemälde, die etwas frühreif wirken. Er ist der Abhängigste unter den bisher Genannten und vielleicht zu lange in Paris geblieben ...