G. B., Mainz, Mitte Dezember

Der zweite Bürgermeister der Stadt Mainz, Hufschmidt, hat einen Plan zur Gründung des Zweckverbandes Rhein-Main" ausgearbeitet, der zunächst die beiden Schwesterstädte Mainz und Wiesbaden, später auch weitere Gemeinden am Mittelrhein und an der Mainmündung umfassen soll. In Wiesbaden ist dieser Entwurf sowohl in Kreisen der Wirtschaft als auch der Kommunalverwaltung auf fruchtbaren Boden gefallen.

Der Gedanke, einen "Zweckverband" zu gründen, tritt hier ebenso wie an der Neckarmündung, wo die benachbarten Städte Mannheim-Ludwigshafen liegen, an die Stelle von undurchführbaren Eingemeindungswünschen. Ebenso wie dort an der Landesgrenze von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg stehen hier an der Landesgrenze von Rheinland-Pfalz und Hessen einer Revision von Gemeindegrenzen und einem Zusammenschluß von Industriegemeinden zu größeren Stadtgebilden – etwa nach dem Vorbild Wuppertals – nicht nur die von den Alliierten abgesteckten Ländergrenzen, sondern auch Ressentiments entgegen.

Mainz, früher zum Großherzogtum und dann zum Freistaat Hessen(-Darmstadt) gehörig, ist heute für die Hessen eine "Irredenta", die durch die französisch-amerikanische Zonengrenze auf dem Rhein abgetrennt wurde. Abgetrennt von dem damals französisch besetzten Mainz wurden aber auch die rechtsrheinischen Mainzer Stadtteile Kastel, Kostheim und Amöneburg, die amerikanisch besetzt, also hessisch bleiben und heute von der Stadt Wiesbaden treuhänderisch verwaltet werden. Diese industriereichen Außenbezirke von Mainz, dazu die ausgemeindeten Orte Ginsheim und Gustavsburg, werden von den Mainzern gern mit dem Saargebiet verglichen, wobei das Wiesbadener Stadtoberhaupt dann als ein zweiter Poincaré hingestellt wird, der den Raub nicht herausgeben will.

über all diese Sorgen und Ärgernisse könnte ein "Zweckverband" hinweghelfen, der ein gemeinsames Wirtschafts- und Versorgungsgebiet von Bingen über Mainz und Wiesbaden bis zur Opelstadt Rüsselsheim herstellen soll.