Die Spötteleien über die Errichtung eines Farmiienministeriums kommen nicht nur von solchen, die man bei uns gern als destruktive Elemente abtut. Selbst in Regierungskreisen sind die Meinungen über den Nutzen eines solchen Ministeriums geteilt. Nach der Regierungsbildung sagte ein prominentes Mitglied der CDU: "Der Familienminister wird in alles hereinreden und nirgends etwas zu sagen haben Natürlich weiß auch dieser Skeptiker von der Krise, in welche die Familie geraten ist und van der Problematik, die hier gemeistert werden muß, weil sie Volk und Staat in der Wurzel bedroht; sein Zweifel richtet sich wie der vieler anderer gegen die eingeschlagene Methode. Die Auseinandersetzung mit den geistigen und moralischen Ursachen jener Krise gehört in das Metier des Pfarrers, des Erziehers oder des Philosophen, aber nicht in das eines Bundesministers. Will man aber Familienausgleichskassen, einen familiengerechten Lohn, größere Wohnungen für die großen Familien und eine familiengerechte Steuergesetzgebung schaffen — was alles durchaus wünschenswert und zu bejahen ist —", dann braucht man dazu keinen eigenen Minister. Die zuständigen Ressortchefs nehmen in ihren Gesetzentwürfen auf die Schutzbedürftigkeit der großen Familie einigermaßen Rücksicht. Mehr werden auch der Familienminister und seine Beamten wohl nicht erreichen können, wenn sie sich, in welchem Stadium auch immer, in diese Gesetzentwürfe einmischen werden. Wozu also ein Familienministerium? Die Antwort des Politikers lautet: weil es die Koalitionsarithmetik verlängt hat. Der einfache Mann oder die einfache Frau haben andere Vorstellungen. "Mein Mann ist mir durchgebrann Schaffen, Sie. doch bitte Ordnung, Herr Familienminister", schreibt eins von diesen einfachen Frauen an Dr. Würmeling und drückt damit ihre Vorstellung von dem Zweck eines Familienministeriums aus. Die meisten von den rund 200 Briefen, die der Familienminister durchschnittlich am Tag erhält, sind von solchen und ähnlichen, ausschließlich persönlichen Wünschen diktiert.

Warum gerade WürmelKjg? fragte man sich in den Wandelgängen des Bundeshauses. Erinnerungen tauchten auf an die vielen streitbaren Zwischenrufe, durch die Würmeling im ersten Bundestag in den Ruf eines Eiferers gekommen ist; ac seine zügellosen Ausfälle im Wahlkampf. Was hat er beispielsweise nicht alles gegen die FDP und Reinhold Maier gesagt! Dr. Maier setze "die nationalsozialistische Vergewaltigung der Gewissen" iort, die Hitler mit der Abschaffung der KonfessionVschulen in Baden und Württemberg begonnen habe! Gewiß wird im Wahlkampf auf allen Seiten viel zusammengeredet, was nachher weder der Redner noch die Zuhörer wahrhaben wollen, aber Würmeling hat sich Äußerungen ähnlicher Art auch im Bundestag geleistet. Wer ihn dort in diesen vier Jahren immer wieder beobachten konnte, wird den Eindruck nicht leicht vergessen. Ganz vorn in der Mitte sitzendem der Erregung heftig mit den Händen gestikulierend, in der Formulierung oft mehr "deutlich als charmant, seine Einwände häufig überspitzend, fand er auch im Koalitionslager mit seinen Zwischenrufen oft keine Zustimmung. Den Liberalen galt er als ein kompromißloser Vorkämpfer des politischen Klerikalismus. Wie sollte man, fragte man sich bei ihnen, mit diesem Familienminister in der Frage der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu einer auch für die FDP tragbaren Lösung kommen? Mußte nicht seine Ernennung als ein Sieg der intransigenten Richtung in der CDU gedeutet werden? Sein Eintreten für Elternrecht und Bekenntnisschule war sogar in den Reihen der eigenen Partei manchmal als zu schroff empfunden worden. Man erzählt sich, daß er sich der Gunst höchster kirchlicher Würdenträger erfreue und daß man sich von dieser Seite für ihn eingesetzt habe , Aber so leidenschaftlich Dr. Würmeling auch in Dingen, die ihm Herzenssache sind, sein kann, in den praktischen Fragen der Politik ist er ein Mann der Mäßigung und des nüchternen Abwägens. Auch entbehrt dieser" westfälische Dickschädel, als den man ihn bezeichnet, nicht der Vorsicht, wenn et auf der anderen Seite die größere Widerstandskraft weiß. Der Kanzler hat in ihm einen ergebenen Gefolgsmann. Damit haben sich schließlich viele von denjenigen beruhigt, die in seiner Ernennung anfangs ein Alarmzeichen sahen. Bei aller Heftigkeit in der. Attacke wird es Würmeling nicht auf Kraftproben ankommen lassen, wenn er nicht die stärkeren Bataillone auf seiner Seite weiß. Man erinnert sich seiner Philippika gegen den DP Stadtverordneten und ehemaligen nationalsozialistischen Oberbürgermeister von Frankfurt, Dr. Krebs, und gegen die ihn stützende Deutsche Partei. Es war eine mutige, gute Rede. Würmeling nakrn kein Blatt vor dem Mund. Er sagte seinen Koalitionspartnern von der DP mit herzhaften Worten, was er davon hielt, politische Geschäfte mit Hilfe ehemaliger Nazigrößen zu machen. Zäh kämpfte er um das von ihm und" einigen anderen Parteifreunden entworfene Mehrheitswahlrecht. Er wird den Kämpf, den er damals aufgeben mußte, unter dem veränderten Kräfteverhältnis im neuen Bundestag sicherlich fortzuführen versuchen. In den Fragen der öffentlichen Moral ist er etwas engherzig. Er stieß sich beispielsweise an der allegorischen Darstellung der nackten Europa auf den Fünfmarkscheinen. In der Auseinandersetzung, über das sogenannte Schund- und Schmutzgesetz gab er mancher zweifellos vorhandenen Ge den Jahren beginnt. Drei grundlegende Änderungen werden nach dem neuen Programm im Aufbau der Wehrmacht durchgeführt: Schwerpunktverlagerung auf die Luftmacht, Ausrüstung mit Atomwaffen und Verringerung der Mannschaftsbestände, die im Haushaltsjahr 1957 reduziert werden sollen. "Wenn ich von einer Luftmacht spreche", so erklärte Admiral Radford, "dann schließe ich in diesem Begriff die Luftwaffe, die Luftstreitkräfte der Marine, des Marinekörps, des Heeres und die gewaltige Flügzeugindustrie sowie das Luftverkehfssystem der Vereinigten Staaten ein Der Präsident, der Verteidigungsminister und die Chefs der Wehrmaehtsteile seien einstimmig der Auffassung, daß die Vereinigten Staaten eine nationale Luftmacht aufrechterhalten müßten, die derjenigen jeder anderen Nation überlegen sei.