H. Hl., Hamburg

Fünfzig deutsche Flüchtlingsfamilien werden im kommenden März ihr eigenes Heim beziehen. In Hamburg sind geräumige Holzhäuser eingetroffen, welche die königlich norwegische Regierung dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen zur Verfügung gestellt hat. Dieses generöse Weihnachtsgeschenk im Werte von einer Million Kronen dokumentiert die Bereitschaft Norwegens, einen Strich unter die Vergangenheit zu machen und zu helfen, wo es nottut. Es ist übrigens nicht die erste freundliche Geste des kleinen Landes Norwegen uns gegenüber, denn mehr als sechs Millionen Kronen hat Norwegen für Kleidung und Lebensmitteln aufgebracht, die in den Notjahren nach Deutschland gingen. Als jetzt die ersten 25 Norwegenhäuser im Hamburger Hafen ankamen (es werden insgesamt 50 Häuser sein), veranstaltete der norwegische Generalkonsul Slördahl eine kleine Feier. Ein Weihnachtsbaum brannte in der Kanone von Schuppen 62 am Kai, wo die beiden Frachter "Magnhild" und "Marianne" noch mit dem Löschen beschäftigt waren, und beim Schein der Kerzen wurde in Gegenwart von offiziellen Vertretern beider Länder das Geschenk bei heißem Grog und mit warmen Worten übergeben und in Empfang genommen.

Man erfuhr, daß die ersten 25 Häuser für das Land Nordrhein-Westfalen bestimmt sind und dort in Wuppertal-Vohwinkel aufgestellt werden sollen. Der Schiffstransport von Norwegen bis Hamburg ging zu Lasten der norwegischen Regierung. Die ab Hamburg entstehenden Kosten des Transports zur Baustelle sowie die der Installierung trägt das Land Nordrhein-Westfalen, dessen Wiederaufbauministerium die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft des evangelischen Hilfswerks mitallen noch zu erfüllenden Aufgaben, einschließlich der Auswahl der künftigen Bewohner, betraut hat. Berücksichtigt werden in erster Linie kinderreiche Familien, denen die aus sechs Zimmern mit einer Gesamtfläche von 100 Quadratmetern bestehenden Häuser hochwillkommen sein werden. Die Sozialbehörden Nordrhein-Westfalens haben sich verpflichtet, an bedürftige und völlig besitzlose Flüchtlinge überdies den notwendigen Hausrat an Möbeln und Geschirr zu liefern. Auf ähnliche Weise wird auch mit den restlichen 25 Holzhäusern aus Norwegen verfahren, welche in Essen-Gerschede aufgestellt werden sollen.

Wer Norwegen, das Land im hohen Norden unseres Kontinents, aus eigener Anschauung kennt, vermag sich vorzustellen, wie schmuck sich die neuen Siedlungen am Rande der Industriestädte ausnehmen werden, wenn sie einmal bewohnt und von Gärten umgeben sind. Sie werden Zeugen neuen Glücks und Symbol eines künftigen Europas sein, in dem die Menschen einander helfend die Hand reichen.