Die in den letzten Jahrzehnten sich stetig fortsetzende Wirtschaftskonzentration machte vor dem Stand des Privatbankiers nicht halt. In der Zeit von 1913 bis 1953 verringerte sich die Zahl der Privatbanken, die in der Rechtsform einer Einzelfirma, einer offenen Handelsgesellschaft oder einer Kommanditgesellschaft geführt werden, im Bundesgebiet und in Berlin-West von 1200 auf 276.

Dieser Schrumpfungsprozeß wäre alarmierend, wenn nicht die letzten Jahre deutlich gezeigt hätten, daß es dem Privatbankier dank der ihm eigenen Anpassungsfähigkeit gelungen ist, seine ganze Energie mit Erfolg dort einzusetzen, wo er infolge seiner persönlichen Beziehungen, seiner ins einzelne gehenden Kenntnisse bestimmter Komplexe und seiner schöpferischen Arbeit auch in unserer großräumigen Wirtschaft nicht zu entbehren ist. Als typischer Repräsentant eines auf persönlicher Initiative beruhenden Unternehmens mußte er ein Kämpfer gegen jegliche übertriebene staatliche Reglementierung und für die marktwirtschaftlichen Prinzipien sein; denn nur im freien Raum kann er die in seiner Bank ruhenden Kräfte voll zur Geltung bringen – zum Nutzen seiner selbst und zum Vorteil seiner mit ihm eng verbundenen Kundschaft.

Und gerade diese enge Verbindung war es, die dem Privatbankier eine neue Aufgabe zugewiesen hat: nämlich in die verantwortungsvolle Vermögensberatung, die dem Privatbankier den Titel "finanzieller Hausarzt" eintrug, die steuerliche Beratung einzubeziehen. Denn welcher Firmeninhaber ist heute ohne weiteres in der Lage, bei Planung der Geschäfte auch gleichzeitig die steuerlichen Rückwirkungen voll übersehen zu können? Läßt man diese jedoch außer acht, läuft man Gefahr, trotz allen Fleißes und Mutes und aller fachlichen Fähigkeiten den finanziellen Nutzen einzubüßen.

Selbstverständlich liegt die steuerliche Beratung der Kundschaft nur am Rande der Banktätigkeit. Sie geht jedoch alle Privatbanken ebenso gemeinsam an wie die Notwendigkeit, die durch Krieg und Nachkriegswirren zusammengeschmolzene Kundschaft zurückzugewinnen oder zu ergänzen. Dem sich neu bildenden Mittelstand eine "Bankheimat" zu geben, ihn zum Wertpapiersparen und zum "Besitzdenken" zu bringen, kann dem Pri bankier um so eher gelingen, als sein Haus – frei von der Belastung der Massenarbeit des üblichen Bankbetriebes – in jeder Beziehung auf das Persönliche abgestellt ist.

Hier hebt sich der Unterschied zur Groß- oder Regionalbank ab. Doch würde dieser allein nicht ausreichen, um die Privatbanken in den Stand zu setzen, sich neben dem machtvollen Apparat der Großbanken erfolgreich zu behaupten. "Was die Privatbanken vor den Großbanken auszeichnet", so formulierte Dr. Heinrich Hassmann, Generalbevollmächtigter des Bielefelder Bankhauses Hermann Lampe, in der kürzlich erschienenen Schrift "Die Gestalt des Privatbankiers", "ist auch nicht die Höhe des bei ihnen arbeitenden Kapitals – Kapital steht den Großbanken meist in weit höherem Maße zur Verfügung –, ist nicht die Qualität der Arbeit – sie wird von den großen Bankinstituten mit der gleichen Zuverlässigkeit und Präzision geleistet –, ist auch nicht ihre Tradition, auf die allein zu berufen auf die Dauer kein Zeichen von Stärke wäre. Was eine Privatbank im Tiefsten von einer Großbank abhebt und unterscheidet, ist vielmehr allein die Tatsache, daß ihre Bedeutung abhängig ist von der Bedeutung und dem Rang des sie repräsentierenden Bankiers

Damit ist die Nachwuchs frage dieses Standes angeschnitten, die in diesem Falle die Existenzfrage schlechthin bedeutet. In jeder Generation wird die Privatbank von neuem vor dies Schicksalsproblem gestellt – und leider hat es sich allzuoft nicht befriedigend lösen lassen. Der eingangs ervähnte, bei den privaten Bankinstituten festzustellende Schrumpfungsprozeß ist nicht zuletzt auch auf diese Tatsache zurückzuführen.

Mögen sich auch die eben angesprochenen Institute in ihrem Aufbau, ihrer äußeren Form und ihrer Tradition von dem übrigen, auch die Großbanken-Nachfolger und Regionalbanken einschließenden Bankgewerbe abheben, so bleibt doch die volkswirtschaftliche Aufgabe aller aufgeführten Instanzen die gleiche. Unter diesen Aspekten muß auch der Bericht des Bundesverbandes des privaten Bankgewerbes (e. V.), Köln, für 1952 beurteilt werden. Bis auf geringe Ausnahmen haben die hierin angeschnittenen Probleme sowohl für die Nachfolgeinstitute der Großbanken als auch für die Regionalbanken und Privatbankfirmen Gültigkeit. Ein wesentlicher Unterschied und zugleich eine Schlechterstellung der beiden letzten Gruppen gegenüber den Nachfolgeinstituten besteht lediglich in der Frage der stillen Reserven in Beteiligungen und Wertpapieren des Anlagevermögens. Der Zwang zur Bewertung dieser Aktiva mit den unrealistisch niedrigen Steuerkursen per 31. Dezember 1948 blockiert praktisch diese Werte, da der bei einer Realisierung entstehende hohe formale Buchgewinn zu einer Wegsteuerung des größten Teiles dieses Gewinnes führt. Bei den Großbanken hat sich zwangsläufig eine Lösung des Problems bei der Entflechtung ergeben, die eine Neubewertung per 31. März 1952 erzwang, für die eine angemessene Pauschalversteuerung angesetzt wurde. Der Verband ist bemüht, auch für die anderen Institute eine tragbare Lösung zu erreichen.