Für jeden Tag ein eigenes Blatt mit Bild, langer Unterschrift, Gedenkdaten, Zitaten, Sprüchen, alles in allem 365 Blätter mit ausführlichster Instruktion – das war, Jahrzehnte ist es her, das imposante Produkt des Leipziger graphischen Gewerbes, das auf keinem Wunschzettel und keinem Weihnachtstisch wissenshungriger Bürgersöhne fehlen durfte: "Meyers Historisch-geographischer Kalender." Ein Kompendium des Wissens, fast ein kleines Lexikon, aber auch ein Dokument des nationalen Optimismus. Die Schlachten von Leuthen, Leipzig, Waterloo, Königgrätz, Sedan, die Königskrönung von-1701, die Kaiserproklamation von 1871, das waren die Eckpfeiler. Deutschland hatte das Ziel erreicht und blickte mit Stolz zurück ...

Weder die Fülle noch die Gesinnung konnten überdauern. Tröstend ist, wie Hermann Heimpel sagt, nur eins: die Tatsache der Kontinuität. "Deutschland ist das jetzt geliebte, in der Vergangenheit wiedergefundene Land, es ist selbst die Vergangenheit, die das in der Gegenwart geliebte Land zu dem gemacht hat, was es ist." Das ist deshalb das Motto von:

"Spemanns Heimatkalender" (Frankhsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 4,80 DM) der alle Gebiete von der Saar bis nach Oberschlesien streift. Der deutsch-englische

Deutsche Kalender 1954 / Picturesque Germany des Verlages Carl Gerber, München (3,85 DM), unternimmt es im angelsächsischen Sprachraum für dies neue deutsche Nationalbewußtsein Verständnis zu gewinnen. Derselbe Verlag bringt auch, gleichfalls zweisprachig, einen

Bayern-Kalender 1954 / Picturesque Bavaria ein Beispiel, daß der engere und der weitere Begriff von Heimat einander nicht ausschließen. Von der Umwelt des einzelnen nur geht ja allemal der Blick aufs Größere, und auch in dieser Umwelt ist tröstende Kontinuität. Das zeigen die 26 buchkünstlerisch meisterlich wiedergegebenen Aufnahmen

Fritz Eschens im "Berlin-Kalender 1954" (Wolfg. Stapp, Berlin, 4,50 DM)

oder die 33 reich beschrifteten alten Stiche und neuen Fotos in