bl., Hannover

Während die weitere Behandlung der beiden Gesetzentwürfe über die Volksschulen in Niedersachsen im Augenblick stocken, melden sich der Philologenverband Niedersachsen und die Fachgruppe der Mittelschullehrer beschwörend zu Wort.

Der Philologenverband weist an Hand exakter statistischer Angaben nach, daß die Zahl der heute vorhandenen Studienassessoren in etwa zwei Jahren nicht mehr ausreichen und ein geordneter Unterricht in Frage gestellt sein wird. Die Zahl der Schüler und der Klassen ist im letzten Jahr so gestiegen, daß eine starke Überbelegung der einzelnen Klassen eingetreten ist. Es ist also schon heute für den Lehrer in den Höheren Schulen nicht leicht, den Unterricht so zu erteilen, daß das Klassenpensum auch durchgeführt werden kann. Nur Maßnahmen von Seiten der Regierung und des Landtags können helfen.

Eine ähnliche Feststellung treffen die Mittelschullehrer. Die Zahl der Mittelschulen ist im letzten Jahr von 165 auf 172 und die der Mittelschüler von 71 616 auf 75 151 gestiegen, während gleichzeitig die Zahl der Volksschüler um etwa 50 000 gesunken ist. Die Mittelschullehrer erklären nun, daß zur Erteilung des notwendigen Unterrichts neben den gegenwärtig tätigen 2261 hauptamtlichen Lehrkräften in den Mittelschulen des Landes die Einstellung von weiteren 700 Lehrkräften notwendig ist. Das heißt, daß gegenwärtig jede vierte Lehrstelle nicht besetzt ist. Die drohende Not wird schließlich noch dadurch verschärft, daß ein hoher Prozentsatz der Mittelschullehrer über 60 Jahre alt ist und in den nächsten Jahren pensioniert wird. Bei den Studienräten machen die zur Pensionierung anstehenden Jahrgänge 1888/89 allein 144 Personen aus.

Die niedersächsische Regierung hat in der letzten Woche einen Gesetzentwurf über den kommunalen Finanzausgleich verabschiedet und dabei ähnlich wie in Baden-Württemberg die Verbundwirtschaft zwischen Land und Kommunen eingeführt. Den Kommunen soll ein Betrag von 15 Prozent von der dem Land nach Abzug des Bundesanteils verbleibenden Einkommen- und Körperschaftsteuer zugeteilt werden. Dieser Gesetzentwurf, der bereits in der nächsten Landtagssitzung im Januar behandelt werden soll, hat bisher die grundsätzliche Billigung der kommunalen Spitzenverbände erlangt. Nur in der Frage des Schullastenausgleiches für die mittleren und Höheren Schulen haben die Kommunen Vorbehalte angemeldet, so daß auch der drohende Lehrermangel, auf den gerade die Philologen und die Mittelschullehrer hingewiesen haben, noch keine Erleichterung erfährt.