Es war in Wiesbaden im Monat September, als die Leistungsgemeinschaft des deutschen Möbelhandels e. V. (LMD) – ein Zusammenschluß "weitsichtiger" Mitglieder des Möbelhandels, wie es Vorsitzender Fritz Heinicke ausführte – ein neues Sozialprogramm des deutschen Möbelhandels an die Öffentlichkeit brachte. Ihm wurden zahlreiche schmückende Prädikate in die Wiege gelegt. LMD-Möbel sollen ein Begriff werden. Ein Begriff für. sozial, zeitgemäß, formschön, werktreu, praktisch, preiswert und Qualität. Als Geburtsurkunde bekommen sie eine Plakette, die die Gewähr geben soll für "alle berechtigten Anforderungen an die Qualität hinsichtlich Funktion, Verarbeitung, Preis und Form".

Die Diskussion über das neue Unternehmen war von Beginn an recht lebhaft. Möbel müssen nicht unbedingt den Wurm der Kritik und Ablehnung in sich haben, wenn sie mit dem Umhängeschild "sozial" dekoriert sind und sich die Ersteller gerade davon einen besonderen Erfolg versprechen. Sie müssen aber auch nicht unbedingt wegen dieses sozialen Dekors nun ein Verkaufsschlager unserer für Abertausende beengt gewordenen Gegenwart werden.

Wir haben in Deutschland seit Jahrzehnten Möbelserien bestimmter Produktionsgemeinschaften, Wohnkulturorganisationen und Interessengruppen, die zu einem Begriff geworden sind. Sie haben einen bestimmten Stil, garantieren einen Qualitätsbegriff und haben ihren ganz bestimmten Käufermarkt. Sie werden nicht unbedingt mit den Begriffen "sozial" und "zeitgemäß" propagiert und sind doch mit ihrer reichen Auswahl für jeden Geschmack, mit ihren vielfältigen Möglichkeiten für eine Erweiterung der Einrichtung zu jeder Zeit und nach jeder Richtung hin, sozial, zeitgemäß und unter der Zucht der Notwendigkeiten formschön und stilgerecht. Sie bringen Klein- und Kleinstmöbel, Anbaumöbel, Kombinationsmöbel und wie die modernen Schachtelspiele für beengten Raum alle bezeichnet werden mögen. Und sie lassen dabei der Individualität einen schönen weiten Spielraum.

Wozu nun eigentlich also grundsätzlich ein neues "Sozialprogramm des deutschen Möbelhandels"?

Die Ausstellung in Wiesbaden war in engster Gemeinschaft der LDM mit dem Verband gemeinnütziger Wohnungsbaugesellschaften ten (Gewobag) veranstaltet worden. Sie zeigt in Kojen innenarchitektonisch ausgeklügelte Wohn-Kombinationen auf behördlich genehmigten Quadratmetern nach den Richtlinien des sozialen Wohnungsbaues. Mitte November sollten diese neuen Möbel in größerer Öffentlichkeit gestartet werden und zwar im Handel. Wir haben versucht, darüber etwas zu erfahren. Der Erfolg stimmt nachdenklich ...

Irgendwo stimmt irgend etwas nicht.

Die Gründung der LDM erfolgte in Abwehr konzentrischer Angriffe gegen den Möbelhandel, der seine Aufgaben nicht "fortschrittlich" und "zeitgemäß" erfülle. Organisationen und Behörden versuchten, mit kulturellen und wirtschaftlichen Begründungen dem Handel ins Handwerk zu pfuschen, "der schuld daran sei, wenn sich nach dem Kriege noch kein zeitgemäßer Möbelstil entwickelt hätte". Die LDM setzte sich als Aufgabe, die bestehende Produktion kritisch zu sichten, "anerkannte" Erzeugnisse auszuwählen und zu propagieren, ein eigenes Möbelprogramm herauszubringen und zu belehren, zu beraten, zu erziehen; den Händler und über den Händler den Käufer. Der Beitritt zur LDM steht jedem Mitglied des Möbelfachhandels offen, "das sich verpflichtet, für die Modelle der LDM einen bestimmten Teil seiner Geschäfts- und Schaufensterräume zu reservieren und diese Möbel gemäß den Richtlinien der LDM wohnfertig aufzustellen".