Die Tradition der süddeutschen Kartenmacher, die vor 500 Jahren in Ulm, Augsburg und Nürnberg sowie anderen süddeutschen Städten saßen, wird heute von Stuttgart fortgesetzt, nachdem sich hier die älteste deutsche Spielkartenfabrik, die "Vereinigte Altenburger und Stralsuider Spielkarten-Fabriken Aktiengesellschaft" mit dem Verwaltungssitz in Mannheim nach ihrer Enteignung in Altenburg in Thüringen angesiedelt hat. Mindestens jedeszweite Kartenspiel, das heute in der Bundesrepublik hergestellt wird, kommt aus Stuttgart, wo zur Zeit täglich 20 000 bis 25 000 Kartenspiele die Fabrik verlassen. Im vergangenen Jahr stellten die drei deutschen Spielkartenfabriken 4,9 Mill. Spiele her. Der Export war jedoch nur gering.

Die Vereinigte Altenburger und Stralsunder Spielkarten-Fabriken AG blickt auf eine fast 200jährige Tradition zurück. 1765 erhielt der Graveur Johann Caspar Kern in Stralsund die erste Konzession zur Anlage einer Spielkartenfabrik. Das war die Geburtsstunde der heutigen Weltfirma, der sich annähernd 40 deutsche Spielkartenfabriken anschlössen. Infolge der Enteignung in Thüringen gingen nicht nur die Produkionsstätten verloren, auch das berühmte Spielkartenmuseum wurde von den Sowjets nach Moskau gebracht. Die Gesellschaft hat jedoch inzwischen die bedeutende Spielkartensammlung von Dr. Martin von Hase mit rund 750 Spielen und 22 000 Einzelkarten erworben und erheblich erweitert, so daß sie heute als wertvollste Spielkartensammlung der Welt angesehen werden darf, jfg.