Die bereits in den Monaten Februar und März 1951 begonnene rückläufige Bewegung der seit Beginn des Koreakrieges auf Rekordhöhe gestiegenen Preise auf den Wellwarenmärkten hat auch 1953 noch angehalten. Zurückzuführen ist dieses ständige Abgleiten der Preise auf die schon seit 1950 aufeinanderfolgenden nordamerikanischen Rekordernten im Lebensmittelabschnitt und die große Erzeugung an industriellen Rohstoffen in der ganzen Welt, der ein abgeschwächter Verbrauch gegenüberstand. Zwar machte sich von Zeit zu Zeit, bald auf dem einen, bald auf dem anderen Markt, ein leichter Preisauftrieb bemerkbar, der aber meist von kurzer Dauer war. Denn es handelte sich dabei in keinem Falle um eine wirkliche Besserung der Marktlage, sondern lediglich um notwendige Bedarfskäufe der Regierungen, der Mühlen und der Industrie, oder aber um die Auffüllung von Lagerbeständen, die in der Zwischenzeit wegen der vorsichtigen Eindeckung – 2. Dezember haben die USA im laufenden Getreidejahr nur 1,3 Mill. t Weizen nach dem Auslande verkauft gegen 3,2 Mill. t in der gleichen Zeit 1952. Die Regierung, die sehr große Mengen beliehen und eingelagert hat, setzt ihre ganze Hoffnung jetzt auf Lieferungen gegen ausländische Valuten die obendrein gestundet, werden, wenn der Preis nicht etwa ganz und gar erlassen wird, wie das im Falle Pakistan geschehen ist. Für das kommende Jahr wird eine Einschränkung der Anbaufläche für Weizen geplant.

in den USA hat am 15. d. M. eine Abstimmung der Baumwollpflanzer über die von der Regierung gewünschte starke Einschränkung des Baumwollanbaues stattgefunden. Der Ertrag wird dadurch auf 10 Mill. Ballen verringert, während im laufenden Jahre nach der neuesten amtlichen Schätzung 16,4 Mill. Ballen eingebracht worden sind. Von dieser Ernte sind bis zum II. Dezember rund 4,83 Mill. Ballen von der Comnodit Credit umfangreichere Käufe hatten wegen der schwankenden Preise vielfach zu Verlusten geführt – häufig bis auf die niedrigste Sicherheitsgrenze zurückgegangen waren.

Als die ersten amtlichen Schätzungen der 1953er Ernten herauskamen, verschlechterte sich die Stimmung noch mehr. Denn nicht nur reiften in den bisherigen Getreideausfuhrländern zu den enormen unverkauften Lagerbeständen wieder Großernten heran, sondern es wurden auch von Argentinien, Frankreich, den Balkanländern, von Sowjetrußland und der Türkei, für das neue Getreidejahr größere Ausfuhrmengen angekündet. Selbst in den bisherigen Einfuhrländern Europas, in Indien und anderen Staaten, standen bessere Erträge in Aussicht, so daß der Importbedarf sich verringern mußte. In Ölsaaten und Ölfrüchten, in Baumwolle und Kautschuk war gleichfalls eine neue überproduktion zu erwarten. Die Preise schwächten darauf erneut ab. Erst in letzter Zeit machten sich auf Grund großer Stützungskäufe der Regierungen und der Ankündigung von scharfen Anbaueinschränkungen für 1954 für Getreide, Baumwolle, Erdnüsse, Tabak und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse eine leichte Befestigung bemerkbar.

Die vorstehende Tabelle gibt eine Übersicht über die Preisentwicklung für einige der wichtigsten Lebensmittel und Rohstoffe seit Juni 1950, also von Beginn des Koreakrieges bis jetzt. Zum Vergleich ist der Preis von 1938 beigefügt.

Höhere Notierungen als unmittelbar vor Korea haben gegenwärtig nur noch Schmalz, Kaffee und Kakao sowie Blei, Kupfer und Zinn aufzuweisen? gegenüber den Preisen vom Anfang d. J. aber sind auch diese drei Metalle zurückgeblieben. Schmalz hat, veranlaßt durch etwas größere Käufe des Auslandes undangebliche Knappheit an Material in den letzten Monaten eine Sonderkonjunktur durchgemacht. Die NE-Metalle profitierten auch heute noch von strategischen Vorratskäufen der Regierungen; die Produktion ist reichlich und übertrifft den zivilen Bedarf recht beträchtlich. – Bei Kaffee und Kakao hat der gesteigerte Bedarf für die Festtage sowie Stützungskäufe der brasilianischen Regierung und die Zufuhrregelung durch die Marketing Boards einen neuen Preisauftrieb im Gefolge gehabt. Am Hamburger Markt sind aber in den letzten Wochen Brasil- und andere Kaffees unter den jetzigen Anschaffungspreisen abgegeben worden. Das Weihnachtsgeschäft in Westdeutschland ist nach Auskunft des Einfuhrhandels und der Großröstereien sehr lebhaft gewesen.

Der Abschluß des neuen Internationalen welzenabkommens hat sich bisher keineswegs zum Segen der USA ausgewirkt. England, das größte Weizen-Einfuhrland. hat. sich ganz von den USA abgewandt und deckt seinen Bedarf gegenwärtig in Nicht-Dollarländern, meist auf Grund von Austauschgeschäften. Die amerikanische Ausfuhr bleibt Monat für Monat hinter den Zahlen des vorigen Jahres zurück. Bis zum Corporation beliehen und eingelagert worden. Dazu kommen noch 1,71 Mill. Ballen aus der vorherigen Ernte, so daß sich gegenwärtig nicht weniger als 6.54 Mill. Ballen in den Händen der Regierung befinden. – Die Abstimmung der Pflanzer hat eine überwältigende Mehrheit (94:6) für die Einschränkung ergeben. Allerdings hätten die Pflanzer bei einer Ablehnung des Regierungsvorschlages auch nur einen um nahezu 50 v. H. niedrigeren Stützungspreis für ihre Baumwolle erhalten – eia Umstand, der sicherlich viel zu dem bemerkenswerten Abstimmungsergebnis beigetragen hat. ol Soziales Experiment. Die Kraft Käse-Werke in Lindenberg im Allgäu sind nicht nur als fortschrittliches und besonders soziales Unternehmen bekannt geworden, sondern auch als Unternehmen, das sich nicht scheut, gelegentlich auf soziales Neuland vorzustoßen. War es vor einigen Monaten der familiengerechte Lohn, so hat Dir. Kenworthy-Kohlhaas nun die Abschaffung der Stempeluhren verkündet. Die Mitarbeiter des Kraft-Unternehmens sollen Mitarbeiter im wirklichen Sinne des Wortes sein und nicht zweigeteilt in solche, die mit und ohne Stempeluhr das Werk betreten. Ohne Zweifel ist jedes Mittel zur sozialen Befriedung und zur Verbesserung des Betriebsklimas in unserer Arbeitswelt nur zu begrüßen. Die Abschaffung der Stempeluhren ist ein weiterer Schritt vorwärts auf dem Wege vom Lohnempfänger zum verantwortungsbewußten Mitarbeiter.

Westfälische Drahtindustrie Hamm (Westf.). Der HV wurde der Jahresabschluß 1952/53 vorgelegt. Die Gesellschaft schüttet 4 v. H. auf die Vorrechtsaktien aus. Der Rest des Gewinns wird auf neue Rechnung vorgetragen. Die Marktsituation hat die Geschäftsleitung veranlaßt, Maßnahmen zur Kostensenkung durchzuführen. Nach dem Ausscheiden des inzwischen verstorbenen AR-Mitglieds August Tönnies setzt sich der AR nunmehr wie folgt zusammen: Berthold von Bohlen und Halbach. Vors.; Dr. Eduard von Schwartzkoppen, stellv. Vors.; Dr. Hans Piesbergen, Dr. Hermann Vaillant, Heinrich Niermann und Wilhelm Peters. Der Vorstand besteht aus Dir. Walter Hobrecker und Dir. Dr.-Ing. Alfred Koegel.