Der 16. Breitengrad in Indochina

Die am 24. Dezember mit starken Kräften begonnene neue Offensive der Vietminh hat das französische Oberkommando in Indochina völlig überrascht. Während man in Saigon offensive Maßnahmen im nördlichen Laos erwartete, erfolgte der Stoß von zwei Vietminh-Divisionen aus Zentral-Vietnam in westlicher Richtung auf die am mittleren Mekong gelegene Stadt Thak-Hek, die ohne Widerstand von den französischen Truppen geräumt wurde. Durch diese Operation ist die von dem Hafen Quang-Tri an der Küste von Annam nach Thak-Hek führende Kolonialstraße 12, auf der der Nachschub für die in Mittel-Laqs stehenden französischen Truppen herangeführt wurde, ebenso unterbrochen wie die Kolonialstraße 13, die Saigon mit der laotischen Residenzstadt Luang Prabang verbindet. Dadurch sind die in Nord-Laos eingesetzten französischen Verbände, die zur Abwehr des vermuteten Vietminh-Angriffes in gut ausgebauten Stellungen versammelt waren, von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten worden. fahr eine übertriebene Bedeutung. Auch in diesen Dingen weiß er aber bei aller grundsätzlichen Ablehnung schließlich doch den meistens allein gangbaren Weg der guten Mitte zu finden.

Würmeling ist 53 Jahre alt. Er kommt aus einer Beamtenfamilie (sein Vater war Oberpräsident) und hat selbst eine lange Beamtenlaufbahn hinter sich. Nachdem er in Münster, Hamburg und Freiburg Jura studiert hatte, war er fünf Jahre Beamter im preußischen Innenministerium, dann Finanzdezernent des Provinzialverbandes Kassel. Aus politischen Gründen von den Nazis entlassen, nahm er eine Stellung in der Industrie an. Nach dem Zusammenbruch des Hitler-Reiches kehrte er wieder in den Staatsdienst zurück. Er wurde Staatssekretär im Innenministerium von Rheinland-Pfalz; dann wurde er in den ersten Bundestag gewählt. Die Nöte einer großen, kinderreichen Familie kennt der Familienminister aus eigener Erfahrung. Er hat fünf Kinder. Robert Strobel

Die Versorgung dieser Truppen kann nur noch auf dem Luftwege erfolgen, der aber durch die zum erstenmal in Erscheinung tretenden Vietminh-Flugzeuge nicht mehr wie bisher völlig sicher ist. Durch ihren schnellen Vorstoß zum Mekong haben die Vietminh-Streitkräfte das Operationsgebiet in Indochina an seiner schmälsten Stelle in zwei Teile gespalten. In Paris und Saigon befürchtet man, daß die Vietminh damit das politische Ziel verbinden, dem durch die "Taille" Indochinas führenden 16. Breitengrad die gleiche Rolle zuzuteilen, die der 38. Breitengrad in Korea spielt. Für den Fall von Verhandlungen über einen Waffenstillstand würden sich nach französischer Auffassung die Vietminh durch die Teilung des Landes eine starke diplomatische Position sichern.

De Gasperi contra Pella

Das gespannte Verhältnis zwischen dem von de Gasperi geführten Flügel der Christlich-Demokraten und dem Kabinett Pella hat sich so verschlechtert, daß die Parteiführung sich "im Interesse der Einheit der Partei" veranlaßt sah, den Fall dem Gesamtvorstand zu unterbreiten. Zu der Spannung haben beigetragen der Beschluß der Partei, in dem Streik der Regierungsangestellten am 11. Dezember eine neutrale Haltung einzunehmen, ferner die Forderung des ehemaligen Innenministers Scelba nach einer neuen Regierungskoalition der Parteien der Mitte, und schließlich ein Artikel des Parteivorsitzenden de Gasperi, in dem die Regierung Pella als ein den Christlichen Demokraten "nahestehendes", jedoch nicht als ein christlichdemokratisches Kabinett bezeichnet wurde. Pellas Regierung setzt sich nur aus Christlichen Demokraten zusammen, genießt aber die Unterstützung der Monarchisten. Vom Flügel de Gasperis wird diese Konsolidierung beanstandet und die Rückkehr zur alten Koalition der Mittelparteien mit Liberalen, Republikanern und Rechtssozialisten gefordert. Obwohl die Aussprache zwischen Pella und de Gasperi nach dem Parteikommunique "die bedauerlichen Vorfälle beschließt", wird in den Leitartikeln der römischen Presse bezweifelt, daß die Differenzen beigelegt sind. Pella scheint jedoch gewissen Wünschen de Gasperis Rechnung tragen zu wollen; denn er hat angekündigt, daß er "alsbald" eine Umwandlung seines Kabinetts vornehmen werde. In politischen Kreisen Roms glaubt man, daß sechs oder sieben Minister ersetzt werden.

Uneinigkeit der Neutralen in Korea

Die Befragung der heimkehrunwilligen alliierten und kommunistischen Kriegsgefangenen in Korea ist am 23. Dezember nach Ablauf der im Waffenstillstandsabkommen vereinbarten Frist von 90 Tagen abgeschlossen worden. Die neutrale Repatriierungskommission lehnte mit den Stimmen Indiens, Schwedens und der Schweiz den Antrag der Kommunisten ab, die Frist zu verlängern. Polen und die Tschechoslowakei stimmten für die Fortsetzung der Befragung. Die Vertreter Schwedens und der Schweiz weigerten sich, einem von Indien, Polen und der Tschechoslowakei ausgearbeiteten Bericht zuzustimmen, in dem die Gründe für den Zusammenbruch der Gefangenenbefragung dargelegt werden. Sie legten einen eigenen Bericht vor und setzten durch, daß beide Berichte dem alliierten und dem kommunistischen Oberkommando zugeleitet werden. In dem Bericht der indischen, polnischen und tschechoslowakischen Mitglieder wird behauptet, innerhalb der Lager in der neutralen Zone habe eine straffe Organisation zur Beeinflussung der Gefangenen in pro-amerikanischem beziehungsweise pro-südkoreanischem Sinne bestanden. Das Hauptquartier dieser Organisation befinde sich in Seoul unter der Kontrolle des südkoreanischen Generalquartiermeisters. Die Organisation habe mit Hilfe von vier Zweigstellen alle 55 Lager in der neutralen Zone kontrolliert. Das 64. Feldlazarett der Streitkräfte der Vereinten Nationen in der neutralen Zone habe als Nachrichtenzentrale gedient. Die Vertreter Schwedens und der Schweiz beschränkten sich in ihrem Bericht auf eine chronologische Wiedergabe der Ereignisse. Der Bericht wirft ferner die Frage auf, ob die indischen Wachen berechtigt seien, eventuelle Ausbruchsversuche der Gefangenen nach dem 22. Januar – dem Tag, an dem die Gefangenen nach dem Waffenstillstandsabkommen entlassen werden müßten – mit Gewalt zu verhindern.