Langsam hat es sich bis über die deutschen Grenzen herumgesprochen, daß der deutsche Straßenverkehr der zähflüssigste, undisziplinierteste und gefahrenvollste der Welt ist. Man weiß es, und doch werden entscheidende Schritte zur Beseitigung dieses Grundübels nicht getan. Das hat zum Jahreswechsel den Generaldirektor des Volkswagenwerkes, Dr.-Ing. E. h. Heinz Nordhoff, veranlaßt, in einem sehr persönlich gehaltenen Neujahrswunsch die Gesamtheit der Kraftfahrer anzusprechen, zumal es, wie er feststellt, nicht damit getan sei, nach guter deutscher Art die Schuld immer beim anderen zu suchen und nach der Polizei zu rufen, deren Einmischung man sich andererseits verbitte. Es lohne sich vielmehr sehr, vor der eigenen Tür zu kehren.

Nordhoff bezieht alle Verkehrsteilnehmer zusammen; und auch die miserable deutsche Verkehrsregelung in den Kreis der "Schuldigen" ein. Eine Änderung des augenblicklichen Verkehrszustandes sieht er im anständigen, sauberen und disziplinierten Fahren. Nicht Schnelligkeit sei die Wurzel der Gefahr, sondern Langsamkeit im Denken, im Reagieren, im Erfassen und auch im Fahren. Hier sieht er für die Automobilklubs eine sinnvolle Aufgabe, mit der sie sich größere Verdienste um ihre Mitglieder und um die Allgemeinheit erwerben könnten als mit Bällen und Rennen. Sein Neujahrswunsch gipfelt in der Forderung: rechts fahren, vorsichtig fahren, zügig fahren, höflich fahren, rücksichtsvoll fahren, anständig überholen, die Augen offenhalten und hundertmal mehr in den Rückspiegel sehen als bisher.

Eigentlich sind das Dinge, die jedem Kraftfahrer längst zur Selbstverständlichkeit geworden sein sollten. Leider aber spricht die Zahl der täglichen Verkehrsunfälle eine andere Sprache. Darum kann man Nordhoff für seine Initiative nur dankbar sein; hoffentlich wirken sich seine Vorschläge im neuen Jahr positiv aus... ww.