"Aber was Sie da sagen, ist im allgemeinen nicht von Bedeutung, mein Lieber. Ich bin vielleicht mehr Sozialist als Sie, doch bin ich praktisch. Ein Leid unterdrücken, eine Existenz verlängern, ein Teilchen der sozialen Gerechtigkeiten reparieren, das ist ein Resultat. Das wenige Gute, das man tut, ist getan. Es ist nicht alles, aber immerhin etwas/Wenn die kleine Geschichte, die ich von Ihnen verlange, nur hundert von meinen reichen Abonnenten rührt und zu schenken veranlaßt, so haben wir gegen Leid und Übel so und so viel gewonnen. Auf diese Art macht man die Lebensbedingungen der Armen nach und nach erträglich."

"Aber ist es denn gut, daß die Lebensbedingungen der Armen erträglich seien? Die Armut ist für den Reichtum unumgänglich, der Reichtum für die Armut notwendig. Die beiden Übel zeugen einander, und eines wird durch das andere erhalten. Man soll die Lebensbedingungen der Armen nicht verbessern, man muß sie ändern. Ich werde, die Reichen nicht zu Almosen verleiten, denn ihr Almosen ist vergiftet, weil das Almosen dem Geber gut tut und schlecht wirkt auf den, der es empfängt, und weil schließlich, da der Reichtum nun einmal an sich hart und grausam ist, es sich nicht gehört, daß er durch sanfte Erscheinung täusche. Wenn Sie wollen, daß ich eine Erzählung für die Reichen schreibe, dann werde ich ihnen sagen: ‚Eure Armen sind eure Hunde, die ihr mit Abfällen ernährt. Ihre Helfer bilden für die Besitzenden eine Meute, die die Proletarier anbellt. Die Reichen geben nur jenen, die verlangen. Die Arbeiter verlangen nichts, und sie bekommen nichts.’"

"Und die Waisen, die Kranken, die Greise?" – "Sie haben das Recht zu leben. Für sie werde ich kein Mitleid erregen, ich werde das Recht anrufen."

"Aber hören Sie mir auf. Das alles ist ja nur Theorie! Kehren wir zur Wirklichkeit zurück. Sie werden mir aus Anlaß des Neujahrsfestes eine kleine Geschichte machen. Zum Illustrieren. Lassen Sie ein Mädchen auftreten, ein anmutiges junges Mädchen. Das ist nicht schwer." – "Nein, das ist nicht schwer." – "Könnten Sie nicht auch einen kleinen Schornsteinfeger in die Geschichte einführen? Ich habe eine farbige Illustration, ein hübsches Mädchen, das auf den Stufen der Madeleinekirche einem kleinen Schornsteinfeger ein Almosen gibt. Das gäbe eine Gelegenheit, das Bild zu verwenden ... Es ist kalt, es schneit, das hübsche Fräulein erweist dem kleinen Schornsteinfeger eine Wohltat ... Sehen Sie, wo ich hinaus will?" – "Ich sehe es." – "Sie werden dieses Thema verwenden"

"Ich werde es verwenden. Der kleine Schornsteinfeger, von Dank hingerissen, wirft sich dem jungen Mädchen an den Hals, das die Tochter des Grafen Linotte ist... Er gibt ihr einen Kuß und drückt so auf die Wangen des hübschen Mädchens ein kleines O aus Ruß, ein hübsches kleines O, das ganz rund und ganz schwarz ist. Er liebt sie. Edmee (sie heißt Edmee) ist einem so ehrlichen und naiven Gefühl gegenüber nicht unempfindlich ... Ich glaube, der Gedanke ist rührend."

"Ja ... Sie könnten daraus eine hübsche Sache machen."

"Sie machen mir Mut, fortzusetzen... In ihre vornehme Wohnung zurückgekehrt, empfindet Edmee es zum erstenmal als widersinnig, sich zu waschen: sie möchte auf ihrer Wange den Abdruck der Lippen bewahren, die darauf geruht haben. Indessen ist ihr der kleine Schornsteinfeger bis zum Tor gefolgt: verzückt bleibt er unter den Fenstern des bewundernswerten jungen Mädchens stehen ... geht das?" – "Natürlich."