"Ich setze fort. Am nächsten Morgen sieht Edmee, die in ihrem kleinen weißen Bett geschlafen hat, den kleinen Schornsteinfeger aus dem Kamin ihres Zimmers kriechen. Er wirft sich ihr naiv um den Hals und bedeckt sie mit kleinen, ganz runden O’s aus Ruß. Ich habe Ihnen zu sagen vergessen, daß er von bewundernswerter Schönheit ist. Die Gräfin von Linotte überrascht ihn bei seiner süßen Tätigkeit. Sie schreit auf. Sie ruft um Hilfe. Er ist so beschäftigt, daß er das weder sieht noch hört." – "Mein lieber Marteau..." – "Der Graf eilt herbei. Er hat die Seele eines Edelmannes. Er faßt den kleinen Schornsteinfeger am Hosenboden und wirft ihn durchs Fenster hinaus." – "Mein lieber Marteau ..." – "Ich kürze ab ... Neun Monate später heiratete der kleine Schornsteinfeger das Edelfräulein. Es war hohe Zeit. Das sind die Folgen gut angebrachter Wohltätigkeit."

"Mein lieber Marteau, Sie haben sich über mich lange genug lustig gemacht."

"Glauben Sie bloß das nicht. Ich beende meine Geschichte. Nachdem er das kleine Fräulein von Linotte geheiratet hatte, wurde der kleine Schornsteinfeger päpstlicher Graf und ruinierte sich beim Rennen. Er ist jetzt Ofensetzer auf dem Montparnasse. Seine Frau hat einen Kramladen und verkauft Salamander zu hundertachtzig Franken, zahlbar in acht Monatsraten."

"Mein lieber Marteau, das ist gar nicht lustig."

"Nehmen Sie sich in acht, mein lieber Horteur. Was ich Ihnen da erzählt habe, ist im Grunde ‚Der Sturz eines Engels‘ von Lamartine und ‚Elca‘ von Alfred de Vigny, und besser als Ihre kleinen rührseligen Geschichten, die die Leute glauben lassen, sie seien sehr gut, indessen sie gar nicht gut sind, sie täten Gutes, indessen sie gar nichts Gutes tun, es fille ihnen leicht, wohltätig zu sein, indessen das die schwerste Sache der Welt ist. Meine Geschichte ist moralisch. Darüber hinaus ist sie optimistisch und geht gut aus. Denn Edmee fand in dem kleinen Laden auf dem Montparnasse das Glück, das sie in Vergnügungen und auf Festen vergeblich gesucht hätte, wäre sie mit einem Diplomaten oder Offizier verheiratet worden ... Mein lieber. Herr Chefredakteur, antworten Sie mir: Nehmen Sie ‚Edmee oder wohlangebrachte Wohltätigkeit‘ für das (Illustrierte Neue Jahrhundert’?"

"Sie sehen ganz so aus; als ob Sie mich ernstlich danach fragten? ..."

"Ich meine es auch ganz ernst. Wenn Sie meine Geschichte nicht wollen, werde ich sie anderswo veröffentlichen." – "Wo?" – "In einem bürgerlichen Blatt." – "Ich wette, daß Ihnen das nicht gelingt."