R. St. Bonn

Das Amt Blank versendet seit einiger Zeit an Personen, die sich um Posten in dem zukünftigen deutschen Verteidigungskontingent beworben haben, Fragebogen. Sie sollen eine genaue Personenstandsaufnahme mit einer ungefähren Übersicht über Berufserfahrung, körperliche Leistungsfähigkeit und so fort ermöglichen. Die bisherigen Bewerbungsschreiben, die fast alle ohne Aufforderung eingegangen sind und die seit den letzten drei Jahren etwa die Zahl von 110 bis 120 Tausend erreicht haben, sind in ihren Angaben sehr uneinheitlich. Wichtige Angaben oder Daten fehlen, manche – beispielsweise über dasAlter – wurden, vielleicht oft absichtlich, ausgelassen. Der Aufbau einer Kartothek nach einheitlichen Grundzügen, die als Arbeitsgrundlage für ein solches Amt unentbehrlich ist, ist auf Grund dieser lückenhaften Bewerbungsschreiben nicht möglich. Die Lücken sollen nun durch den Fragebogen geschlossen werden, diesen geradezu zum Symbol gewordenen, unverzichtbaren Notbehelf unserer Zeit.

Die Aussendung und spätere Bearbeitung einer so großen Zahl von Fragebogen erfolgt "gruppenweise". Die erste Gruppe von Bewerbern sind Personen, die früher im militärischen Verwaltungsdienst tätig waren. Später sollen die ehemaligen Stabsoffiziere und Unteroffiziere solche Fragebogen erhalten. Von den bisherigen Bewerbern waren ungefähr 90 v. H. früher im Militärdienst tätig. Unser Bedarf an Generalen, Obersten und anderen höheren Offizieren, an militärischen Verwaltungsfachleuten dürfte aus den vorliegenden Bewerbungen leicht gedeckt werden können. Selbstverständlich müssen die höheren, für Schlüsselpositionen in Betracht kommenden Offiziere auch auf ihre politische Zuverlässigkeit geprüft werden. Das wird nicht nur die Aufgabe des Amtes Blank sein.

Was in den bisher in der Dienststelle Blank eingegangenen Bewerbungen fehlt, ist eine einigermaßen ausreichende Zahl junger, etwa 20- bis 25jähriger Bewerber für die Offiziers- und Unteroffizierslaufbahn, also von Kandidaten für die zu besetzenden Leutnants- und Oberleutnantsposten. Auch der jüngste Leutnant des zweiten Weltkrieges nähert sich nun bald dem 30. Geburtstag. Der junge Kompanieoffizier muß aber körperlich genau so leistungsfähig sein wie der Rekrut. Für diese Posten kommen also Personen in Betracht, die wegen ihrer Jugend im zweiten Weltkrieg nicht Soldaten waren. Gerade aus diesen Reihen sind aber bisher erst sehr wenige Bewerbungen eingegangen. Die Bearbeitung der Bewerbungsschreiben und der Fragebogen wird regional gegliedert sein. Eines Tages wird also der betreffende Bewerber die Aufforderung erhalten, sich an dem Orte X zu melden, wo dann seine Eignung für den in Betracht kommenden Dienst geprüft werden wird.

Der Aufbau eines militärischen Führungskorps ist eine langwierige Sache. Wenn auch die EVG im Augenblick außerhalb Deutschlands noch umstritten und ihre Realisierung daher auch bei uns zur Zeit nochfraglich ist, müssen doch bestimmte Vorkehrungen getroffen werden, damit eines Tages, wenn es so weit sein sollte, das Amt Blank rasch aktionsfähig Sein kann.